Sticky Posts auf Category-Listen

Das Sticky-Post-System von WordPress ist ein wenig komisch. Sticky Posts sind Posts, die immer oben gehalten werden auf der Startseite. Eigentlich sollte man erwarten, dass die zentrale Eigenschaft dieser Posts ist, dass sie oben sind. Weit gefehlt.

Die zentrale Eigenschaft dieser Posts ist es, dass sie auf der Startseite oben sind. Sonst gar nichts. In den Category-Listen sind sie dagegen brav einsortiert nach Datum. Wenn man WordPress als Mini-CMS nutzt und die Kategorien nutzt, um auf verschiedenen Bereichen der Seite News anzuzeigen nervt das ganz schön - weil man auf verschiedenen Bereichen der Seite oben gehaltene Posts haben will. Was tun? Ein hässlicher Hack.

Verbunden habe ich dies mit der Eigenschaft der Startseite, nur Posts einer einzigen Kategorie anzuzeigen. So können Inhalte sehr spezifisch dahin gesteuert werden, wo man sie hinhaben möchte. Um die Eigenarten der Sticky Posts zu erläutern zunächst ein paar Beispiele wie es nicht geht. Als Basis fand ich diesen Post.

function my_post_queries( $query ) {
// only homepage and is the main query
if ($query->is_home() && $query->is_main_query()){
// display only posts in category with id=32
$query->set('cat', 32);
// avoid sticky posts
$query->set('post__not_in', get_option( 'sticky_posts' ) );
}
}
add_action( 'pre_get_posts', 'my_post_queries' );

Das erste $query->set sorgt dafür, dass alle Posts mit der Kategorie-ID 32 angezeigt werden - und zusätzlich alle Sticky Posts mit beliebiger Kategorie. Wenn man das zweite $query->set dazunimmt, bekommt man alle Posts mit der Kategorie-ID 32 - ausser die Posts, die Sticky Posts sind. Ich wollte aber alle Posts mit Kategorie 32, egal, ob Sticky Post oder nicht. Und die Sticky Posts sollten dann auch noch oben sein. Das ist mit dem normalen Query-System von WordPress aber schlichtweg nicht möglich. Zeit für einen hässlichen Hack:

add_action('pre_get_posts', 'modify_main_query');
function modify_main_query( $query ) {
if ($query->is_main_query()) {
$query->set('post__not_in', get_option( 'sticky_posts' ) );
if ($query->is_home()) {
$query->set('cat', 32);
}
else if ($query->is_category()) {

}
}
}

add_action('wp', 'add_sticky_posts');
function add_sticky_posts() {
global $wp_query;
$args = array(
'post__in' => get_option( 'sticky_posts' ),
'ignore_sticky_posts' => 1
);
if (is_home())
$args['cat'] = 32;
else if (is_category())
$args['cat'] = $wp_query->query_vars['cat'];
else
return;

$sticky_post_query = new WP_Query($args);
$wp_query->posts = array_merge($sticky_post_query->posts, $wp_query->posts);
}

Was habe ich gemacht? Ich habe zunächst alle Sticky Posts herausgefiltert und auf der Startseite nur nach Kategorie-ID 32 gesucht. Die Sticky Posts habe ich anschließend gesucht - und dabei ihre Eigenschaft als Sticky Posts zwar als Bedingung genommen, aber in der Positionierung ignoriert. Anschliessend habe ich die Sticky Posts einfach vor die anderen Posts eingesetzt.

Das ganze ist ein ziemlich hässlicher Hack, aber er funktioniert und dürfte auch recht stabil sein. Hässlich ist er vor allem deshalb, weil die restlichen Daten im $wp_query Objekt dem ursprünglichen Query entsprechen, dies aber nicht mehr der Realität von $wp_query->posts entspricht.

29c3, Respekt, Flauscheria, Rückzugsräume und Sprache

Feminismus und Nerds. Das konnte ja nur schiefgehen. Meint man. Nun, irgendwas lief auf dem 29c3 auch wirklich schief. Aber fehlender Feminismus - das war nur ein kleiner Teil der Probleme.

Aber bevor ich von den Problemen spreche: die Konferenz war super. Ich hätte nie gedacht, dass eine ehrenamtlich organisierte Konferenz derart reibungslos über die Bühne gehen kann. Dafür ein herzliches Dankeschön, und ebenfalls vielen Dank für die vielen tollen neuen Kontakte, welche ich auf der Konferenz gewinnen durfte. Es gibt wenig Orte, wo so viele Menschen mit so viel Leuchten in den Augen zu finden sind. Wo Menschen trotz (oder vielleicht grade wegen) ihrer zum Teil offensichtlichen sozialen Inkompatibilität noch so viel träumen, so ungeschliffen, so kreativ und so intelligent sind. Danke!

Klarstellung: Meine Perspektive

Feminismus ist mir nicht fremd. Als in einer grünen Umgebung aktiver Mensch mit vielen Kontakten zu anderen Parteien und einer Vorliebe für überparteiliche Arbeit sind mir viele Gender-Themen recht gut bekannt. Nicht so bekannt war mir der 29c3, das war mein erstes Jahr dort. Ich habe eine recht nerdige Vergangenheit, bin kein Hacker und spiele mittlerweile ein bisschen weiträumiger abseits klassicher Nerd-Themen herum. Einerseits ermöglicht mir das natürlich keine historische Betrachtung des 29c3, andererseits dürfte ich dadurch einen Blick von außen / oben haben. Und dabei fällt das eine oder andere auf.

Viel Respekt

Für einen Neuen war dies faszinierend zu beobachten. Denn im Endeffekt war ein Widerspruch zu beobachten. Einerseits hatten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sichtlich nicht das Interesse und oft auch nicht die Sozialkompetenz, um wirklich emotional zu verstehen, was die jeweils anderen Personen treibt. Trotzdem wurde eine unheimliche Bandbreite von verschiedenen Lebensstile völlig problemlos akzeptiert. Mehr noch: respektiert. Was phänomenal für eine Konferenz dieser Größe ist - auf Veranstaltungen im Bereich der Autoindustrie wo ich ab und an teilnehme ist man z.B. viel schneller unten durch. Von Discos gar nicht erst zu reden. Möglich machte dies vielleicht grade die Tatsache, dass viele Menschen Dinge einfach laufen liessen und soziale Phänomene gar nicht verstehen wollten weil sie das wichtige - die Inhalte - störten. Was ok ist. Dies war aber auch gleichzeitig die Basis für Einzelne, welche diese Freiheit negativ ausgenutzt haben.

Auf Freiheit folgt Flamewar

Wo die moderate gutgläubige Mehrheit schweigt, bekommen Radikale eine laute Stimme. Das war bei dem Hacker-Jeopardy sehr deutlich zu bemerken. Es war ein wildes argumentationsloses Geprügel, denn für respektlose Sprüche (dessen Anti-Feministische Bedeutung nur eine von vielen Folgerungen sein konnten) sind rote Creeper-Move-Karten als Reaktion genauso maßlos übertrieben wie Sprüche über Feminazis. Auf beiden Seiten fühlten sich Menschen emotional verletzt und schlugen wild um sich - und es gab nur wenige, die versucht haben, die Wogen zu glätten - der Rest begriff nicht was da abgeht und / oder resignierte. Ich selbst gehörte auch zu der Mehrheit. Was vielleicht ein Fehler war. Aber wenn eine Situation erst einmal so eskaliert ist gibt es kaum etwas, was das Desaster noch stoppen kann. Die Inhalte - in diesem Fall Feminismus - sind bei einer solchen Eskalation am Ende dabei nur ein Randthema.

Creeper Move Cards - gute Idee, schlechte Umsetzung

Diese Karten sollten die Möglichkeit geben, bei unangemessenem wie sehr angemessenem Verhalten eine wortlose Rückmeldung zu geben. Wortlos, weil man z.B. zu verletzt ist, um dies auszudiskutieren. Doch so gut gemeint die Absicht hinter den Karten auch war, so sehr ging die Durchführung in die Hose. Die Karten wurden inflationär eingesetzt. Nur wenige wussten überhaupt darüber Bescheid, eine Anleitung fehlte weitestgehend. Es wurde wegen Trivialitäten mit roten Karten um sich geschmissen (es gab wohl maximal einen Fall, wo eine rote Karte den Erfindern des Systems zufolge gerechtfertigt war - der Letzte in der Liste - siehe auch). Die Herausgabestelle Flauscheria hatte selbst Zieldefinitionsprobleme (s.u.). Das System funktioniert auf der Def Con gut, aber vor allem deshalb, weil die Orga der Def Con dahintersteht und die nötigen Infos sowie die nötige Gleichverteilung bereitgestellt hat. Auf der OpenMind hat man dies kopiert und die Karten funktionierten recht gut. Auf dem 29c3 dagegen haben sie dem Ziel von mehr Respekt eher geschadet denn genützt - wenn man einmal so ein Kartensystem der Lächerlichkeit preisgegeben hat ist die Idee schwer wieder ins Positive zu drehen. Denn so blöd die Aktion mit der nackten (roten!) Creeper-Card-Frau zunächst wirkt, so sehr hat sie auf den Punkt gebracht, als wie unsinnig die Karten nach aussen wirkten (was auch die Intention der Erschafferin war).

Die Flauscheria - eine Gruppe mit Zielkonflikten

Die Creeper Move Cards waren exemplarisch für die Flauscheria - sehr viel guter Wille, super-tolle Menschen, aber eher verzweifelte denn souveräne Umsetzung ihrer Ideen. Ich war dort lose angegliedert und kannte viele Flauscheria-Mitglieder bislang nur via Twitter, und letztlich habe ich dort eine Gruppe von zum Teil sehr sehr sensiblen Menschen erlebt. Zum Teil Menschen, die verschiedenste Probleme mit der Welt "da draußen" hatten und sehr verletzbar waren. Die Idee der Creeper Move Cards war also in weiteren Teilen (wie ich finde berechtigtes) Eigeninteresse. Genauso wie es die Forderung nach Rückzugräumen war. Aber genau das hat die Position der Flauscheria so schwierig gemacht, sie waren gleichzeitig Betroffene und neutrale Anbieter verschiedener Lösungsvorschläge der Deeskalation für sensible Menschen. Diesen Zielkonflikt aufzulösen war meiner Meinung nach unmöglich, die beiden Ideen - Respekt und echte Rückzugräume - sollten aber noch mehr beachtet werden, um emotional sehr sensiblen Menschen das Leben zu vereinfachen. Obwohl ich den 29c3 was den Respekt angeht bereits für sehr weit positiv fortgeschritten halte wie oben beschrieben, aber es gibt immer Raum für Verbesserung.

Idee: Rückzugräume für alle

Die andere Idee der Flauscheria ist bei all der Diskussion leider allzu sehr untergegangen: Rückzugräume für Menschen, die nicht durchgängig so viel Menschen um sich herum haben können. Das 29c3 war extrem offen, es waren offene Räume mit offenen Tischen, und jeder konnte fast überall hin. Vielleicht wäre als Ergänzung des Kongresses eine Art Silent Privacy Area mit vielen Sichtschutzwänden und viel privatem Raum sinnvoll, um ein neutrales Gebiet zu schaffen, bei dem man auch mal in kleinen Gruppen oder eben ganz alleine sein kann. Aber dies müsste dann von der Orga aus kommen - und eben nicht von einer kleinen Initiative, die mit "Rückzugsgebiet" vor allem "Rückzugsgebiet für sich selbst" meint.

Feminismus und Nerds: Sprachschwierigkeiten

Am Rande des ganzen Streites kam auch noch etwas ganz anderes zu Tage: der Feminismus und Informatik-Vortrag hat gezeigt, wie weit weg einzelne Fachszenen von dem Mainstream sind. Ich habe dort selbst mit meinem Vorwissen als Grüner echte Schwierigkeiten gehabt, dem Fachwort-Staccato zu folgen. Vielen in dem Vortrag dürfte es noch weit schlimmer ergangen sein, ohne die Grünen hätte ich die Fachworte auch nirgends kennengelernt. Im Anschluss habe ich das Experiment gemacht, wie es wohl ist ohne spezifische Nerdsprachenkenntnisse die Konferenz anzuschauen. Beim Durchwandern der Gänge und Projekte wurde mir eins sehr bewusst: ein der Szene Fremder wäre hoffnungslos verloren gewesen, genauso wie die Zuschauer des Gender und Informatik Vortrages verloren gewesen sind. Das durchzog alle Bereiche, und dabei ist mir aufgefallen, dass auch ich selbst mit durchaus ein wenig Nerdsprachwissen bei vielen Anspielungen schlichtweg keine Ahnung hatte, was diese wohl bedeuten mögen. Insider sind cool. Ja. Aber hin und wieder täte es wohl gut zu schauen, ob man nicht doch eine weniger volle und dafür verständlichere Sprache wählen sollte - denn mit dem Wechsel auf eine neue Location gab es viele neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Und so schön der Kongress auch war, so war er auch ein wenig fremd für mich - bis zum Ende.

Mehr Willkommenskultur, weniger Streit!

Ich bin nicht als CCC Nerd sozialisiert worden. Und dieses Fremde - es hat die Fähigkeit, persönliches Verhalten zu berühren und zu reflektieren. Das ist zunächst einmal sehr gut. Aber es kann auch als Angriff wirken. Denn klar, die Verhaltensweisen sind von einer vor allem männlichen Gruppe geschaffen worden, und das Thema ist nicht neu - wie die Aschenbrennerin treffend schreibt, gibt es die Haecksen nicht ohne Grund. Aber vielleicht sollten wir weniger über agressive Antifeministen reden. Davon gab es auf dem 29c3 kaum welche. Die meisten Vorfälle waren mehr ein Versehen aus dem bestehenden kulturellen Kontext heraus, die es ruhig anzusprechen gilt, aber es bringt keiner Seite etwas, dies gnadenlos zu eskalieren.

Ja - vielleicht sollten wir mehr über Offenheit gegenüber anderen sozialen Gruppen und Willkommenskultur reden. Denn nur so können wir andere Menschen für Hackerkultur begeistern und eine Atmosphäre schaffen, bei der sich noch mehr als jetzt alle willkommen heissen.

Linksammlung OpenTraffic

Diese Linksammlung begleitet meinen Lightning-Talk auf dem CCC und wird laufend aktualisiert

  • Zukunft Mobilität - sehr lesenswertes Blog zum Thema
  • ruhrmobil-E - Blog "meines" Vereins für Elektromobiliät
  • Ernst & Young Studie zum thema multimodale Konzepte incl. starker wirtschaftlicher Betrachtung
  • eTicket - der RFID-Ticket Standard der Verkehrsunternehmer, welche im VDV organisiert sind
  • Google Selfdriving Car - Googles seit einer Zeit im Alltags-Straßenverkehr fahrendes autonomes Fahrzeug
  • Anliegenmanagement Bonn - FixMyStreet / Open311 Implementierung, um transparente Bearbeitung von Anliegen zu ermöglichen
  • [...]

Piraten: Roboter statt Menschen?! Ein Rant.

Vorweg: Ich mag die Piraten. Auch wenn ich selbst kein Pirat bin, sondern bei den Grünen aktiv bin. Die Parteien sind einer der spannendsten politischen Projekte unserer Zeit, und ich schätze viele Piraten inhaltlich wie persönlich. Aber manchmal ... manchmal machen es einem die Piraten echt schwer. Die letzten Tage gehörten da wohl zu.

Partei! Partei! Partei!

Und was ich noch vergessen hatte: Partei. Das ist das, was ich von den Piraten in den letzten Tagen mitgenommen habe: eine Parteienfixierung, welche seinesgleichen sucht. Dabei war es doch mal "Politik aus Notwehr". Man wolle weniger Parteienpolitik, dafür mehr Bürgerbeteiligung, mehr auf den Bürger hören, mehr Eigenverantwortung von einzelnen Abgeordneten. Und ich kann mich auch noch gut an die Tage erinnern, wo von verschiedenen Seiten klar gesagt wurde, dass man ja eh mehr aus Versehen zur Partei geworden ist - eigentlich wolle man einfach nur vernünftige Politik machen, und die Partei war eben das nötige Mittel zum Zweck.

Eigenverantwortliche Abgeordnete. Aufbrechen des Fraktionszwanges. Die Partei, die auf den Bürger hört. Das klang einfach verdammt gut. Und dann erlebe ich so etwas wie die Diskussion um das Nichtraucherschutzgesetz (NRSG), bei der Abweichler mit massivem Druck wieder auf Linie gebracht werden sollten.

Ich bin weiter für das Nichtraucherschutzgesetz, aber aus parteipolitischen Zwängen musste ich es leider ablehnen.

Ja - so in etwa fühlte sich das von aussen an. Dabei war das Schlimme daran nicht einmal eine Reihe an Menschen, die massiv auf die potentiellen Abweichler draufhauen. Das Schlimmste daran war die dröhnende Stille seitens der anderen Piraten. Anstatt klar Stellung gegen die Hetzer zu beziehen wird noch mal inhaltlich hinterhergetreten - aber man toleriere ja das Abstimmungsverhalten. Wie gnädig.

Das war der Punkt, wo ich meine Kinnlade auf dem Boden suchen musste. Warum? Nun. An dem Punkt war mir klar, dass da an zwei Punkten etwas ganz fürchterlich schief geht. Auf der Ebene der Sozialdynamik - und auf Ebene des Partei-Verständnisses.

Sozialdynamik: von Gruppendynamik und Kommunikation

Man sieht, dass da jemand angegriffen wird. Mit unfairen Mitteln und mit Rücktrittsforderungen. Man sieht, dass dies ein schwieriges Thema ist, was in der Partei diskutiert werden muss, weil es darauf noch keine Antworten gibt. Preisfrage: Was tut man?

Zu ignorieren, dass es in der Debatte schon lange eine ganz andere Ebene gibt, dass es nicht mehr inhaltlich um das NRSG geht, sondern dort ein Machtkampf tobt, ist sicher nicht der richtige Weg. Dann einfach weiter diskutieren? Als wäre da nichts? Ist eine Sensibilität für die anderen Ebenen der Kommunikation wirklich zu viel verlangt?

Wenn man die anderen Argumentationsebenen ignoriert und gnadenlos inhaltlich weitermacht unterstützt man die Hetzer. Die Trolle. Genau das haben weite Teile des Postes gemacht - nur einer Person ist aufgefallen, dass die getroffene Aussage im Gesamtbild fatal ist. Die ganze Diskussion hat mir noch einmal sehr deutlich gemacht, warum die Piraten so viele Führungsfiguren verschleißen. Das Hetzen einzelner und die schweigende Zustimmung fast aller hält auf die Dauer niemand aus.

Freie Abgeordnete - oder Sklaven von Mehrheitsentscheidungen?

Piraten werfen anderen Parteien gerne vor, sie würden ihre Abgeordneten in ein Zwangskorsett stecken. Der Fraktionszwang sei nicht demokratisch, Abgeordnete sollten ihrem Gewissen folgen und frei entscheiden können. Freies Mandat in Reinstform. Aber scheinbar nur gegenüber anderen.

Abgeordnete seien ja nur durch die Partei ins Parlament gekommen, also haben sie sich nun zu 100% an die Partei zu halten. Wo kämen wir denn da hin, wenn der oder die Abgeordnete machen könnte, was er will! Nein, das gilt es zu unterbinden.

Zudem sind nicht alle Piraten gegen das NRSG. Es gibt einen Beschluss, der mit über 50% verabschiedet wurde. Bedeutet das, dass nun exakt 100% der Fraktion so handeln müssen? Dürfen einzelne Fraktionsmitglieder nicht die Minderheiten innerhalb der Partei vertreten? Und was ist eigentlich mit den Bürgern da draußen? Bei denen es auch viele verschiedene Positionen gibt? Wollte man nicht offener sein als andere Parteien? Darf ein piratiger Abgeordneter nicht Stimmen von Nicht-Parteimitgliedern ernst nehmen? Muss man Piraten-Mitglied werden, um mit einem Piraten-Abgeordneten reden zu können, ohne dass das Gesagte komplett ignoriert wird? Weil ein piratiger Abgeordneter eh zu 100% an Beschlüsse der Partei gekettet ist?

Die größte Ironie daran ist, dass die Fraktion nach der Abstimmung eine Pressemitteilung mit dem Titel "ein schwarzer Tag für die Demokratie" veröffentlicht hat. In denen der SPD vorgeworfen wird, dass einige Abgeordnete nur zugestimmt hätten, weil es so etwas wie einen Fraktionszwang und eben den SPD Parteibeschluss gab. Entschuldigung mal - aber wo ist denn da der Unterschied zu den Piraten? Kein Fraktionszwang, dafür um so stärkerer Parteizwang - soll das die Lösung sein?

Und ja, ich halte dieses Problem für durchaus in der Partei verbreitet. Wenn man sich anschaut, mit welchem Fanatismus in so vielen Situationen Vorstände und Abgeordnete angegangen werden, ist das mehr als ein zu vernachlässigendes Problem. Das Wort Zustimmung weiter oben war nicht zufällig gewählt - für mich wirkt es eben nicht eine schweigende Ablehnung. Sondern wie eine schweigende Zustimmung.

Auch piratige Amtsinhaber sind Menschen

Ja, irgendwas lief in den letzten Tagen fürchterlich schief. Ich glaube immer noch daran, dass viele Piraten einen guten Willen haben. Dass sie es ernst meinen mit mehr Demokratie. Aber bitte, liebe Piraten - achtet mehr auf eure Sprache. Manchmal hat ein fehlender Widersprechen eine sehr, sehr starke Aussagekraft. Auch, wenn diese vielleicht nicht gewollt ist, sie ist nach außen da. Und das kostet Euch Menschen, die ihr dringend braucht. Eure eigenen Führungspersonen, die sich jeden Tag den Arsch aufreißen, um den Laden am Laufen zu halten.

Das zweite, was schief lief, ist, dass ihr akzeptieren müsst, dass Piraten in Führungsrollen Menschen sind. Und dass dies ebenfalls Teil von Demokratie ist. Weder ein Abgeordneter noch ein Vorstand ist ein Sklave der Basis. Es sind Menschen, die gestalten wollen. Die einen eigenen Kopf haben. Die eigene Ziele haben. Die Visionen haben. Die leidenschaftlich für das kämpfen, für das sie stehen.

Das kann, nein, das muss grade bei Euch absolut transparent ablaufen. Und piratige Abgeordnete wie Vorstände werden sicher offener sein für Input von außen als dies in anderen Parteien üblich ist. Aber Input bedeutet nicht totale Kontrolle. Akzeptiert den Kontrollverlust, dass nicht jeder einzelne Pirat 120%ige Kontrolle über jeden einzelnen Amtsinhaber hat. Eure Amtsinhaber sind keine programmierbaren Maschinen, keine Roboter. Es sind Menschen! Die Kontrolle erfolg primär über Wahlen. Worüber sie definitiv nicht funktioniert ist über Hetze bei jedem einzelnen Thema. Diese oft unwidersprochene Hetze fördert Abschottung und zerstört letztlich genau das, was ihr eigentlich erreichen wollt: Basisdemokratie und menschliche Abgeordnete.

Disclaimer

Ich bin auch nicht ganz glücklich mit dem NRSG - primär aufgrund der Elektrozigaretten. Es wird dazu auch noch einen Antrag meinerseits geben. Aber das ist ein anderes Thema. Hier ging es nur am Rande um Inhalte. Hier ging es um Macht, um Durchsetzungsvermögen, um Kontrolle über Abgeordnete. Inhaltliches kann ich gerne in einem zweiten Post behandeln.

Warum ich dies schreibe? Mir könnte das als Grüner alles egal sein und mich über Euren Untergang freuen. Ist es mir aber nicht. Dafür schätze ich Eure Ziele und Euch als Menschen zu sehr.

Offene Kommunen NRW: Impressionen

Am Samstag fand in Wuppertal ein Barcamp zum Thema OpenData / OpenGoverment / Bürgerbeteiligung statt. Eine kleine Zusammenfassung hat das Tal Journal geschrieben, ich kann dazu noch ein paar Photos liefern:

Ubuntus update-alternative System - ein paar Stolpersteine bei sendmail

Eigentlich ist update-alternatives dazu da, um einem das Leben leichter zu machen - soll es doch die Verwaltung mehrerer alternativer Versionen für ein Programm vereinfachen. So einfach ist's dann leider aber nicht - viele Anleitungen sind recht fehlerhaft.

Die Problemstellung: Zimbra + sendmail

Das Backup-Script sollte Mails verschicken. Das macht es am besten über sendmail. Aber natürlich das Zimbra Sendmail vom Zimbra postfix. Also musste ich meinem Ubuntu 10.04 Server beibringen, dass /usr/sbin/sendmail auf /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail verlinkt. Sicher - ich hätte den Symlink auch einfach manuell selbst setzen können. Aber solche Basteleien am System vorbei schaffen nur ärger. Also verwende ich update-alternatives. Und da kam es zum ersten Problem. Folgt man den offiziellen Anleitungen, braucht man einfach nur folgendes machen:

root@sun:/home/infinity# update-alternatives --install /usr/sbin/sendmail mta-sendmail /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail 25
update-alternatives: Verwende /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail, um /usr/sbin/sendmail (mta-sendmail) in Auto-Modus bereitzustellen.
update-alternatives: Warnung: Ersetze /usr/sbin/sendmail nicht durch einen Link.
root@sun:/home/infinity# update-alternatives --display mta-sendmail
mta-sendmail - Auto-Modus
Link verweist zur Zeit auf /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail
/opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail - Priorität 25
Gegenwärtig »beste« Version ist /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail.

root@sun:/home/infinity# sendmail
Please install an MTA on this system if you want to use sendmail!

Mist. Dabei habe ich doch eigentlich einen MTA. Den von Zimbra. (Dem Teil mit "mta-sendmail" bespreche ich weiter unten, der hat es auch noch in sich.) Im Internet kursieren diverse Anleitungen, wie man das umgehen kann, neben einem nicht in den Quellen verfügbaren Dummy-MTA (auch irgendwie gruselige Idee) gab es auch die Lösung, einfach sendmail zu installieren. Gesagt, getan:

root@sun:/home/infinity# aptitude install sendmail
[...]

Jetzt habe ich einen nutzlosen und inaktiven Mini-MTA. Schön und gut, jetzt wollen wir aber den Zimbra-Sendmail verlinken. Schauen wir erstmal, was da ist:

root@sun:/home/infinity# update-alternatives --display sendmail
update-alternatives: error: Keine Alternativen für sendmail.

... aber ich habe mir doch grade sendmail installiert?! Naja, probieren wir es mal nach der Anleitung von oben:

root@sun:/home/infinity# update-alternatives --install /usr/sbin/sendmail mta-sendmail /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail 25
update-alternatives: error: Alternativen-Link /usr/sbin/sendmail wird bereits von sendmail-msp verwaltet.

Aber ich habe doch einfach nur der Anleitung gefolgt? Ist mta-sendmail ggf. einfach nicht richtig? Ausprobieren:

root@sun:/home/infinity# update-alternatives --install /usr/sbin/sendmail sendmail-msp /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail 25
update-alternatives: error: Alternativen-Link /usr/sbin/sendmail wird bereits von sendmail-msp verwaltet.

Wie widersinnig. Ich will doch in der Gruppe sendmail-msp eine neue Alternative hinzufügen - und update-alternatives sagt mir, dass es schon eine gäbe? Des Rätsels Lösung ist eigentlich ganz einfach - der Symlink heisst genauso wie die Gruppe. Also:

root@sun:/home/infinity# update-alternatives --install /usr/sbin/sendmail-msp sendmail-msp /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail 25
update-alternatives: using /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail to provide /usr/sbin/sendmail-msp (sendmail-msp) in auto mode.

Das sieht gut aus. Probieren wir es aus:

root@sun:/home/infinity# sendmail
Das Programm »sendmail« ist in folgenden Paketen enthalten:
[...]

Nicht installiert. Aber ich habe es doch grade bereitgestellt? Nun, mal die Gruppe sendmail-mta anschauen:

root@sun:/home/infinity# update-alternatives --display sendmail-msp
sendmail-msp - Auto-Modus
Link verweist zur Zeit auf /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail
/opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail - Priorität 25
/usr/lib/sm.bin/sendmail - Priorität 25
Slave lib.sendmail: /usr/lib/sm.bin/sendmail
Slave sendmail: /usr/lib/sm.bin/sendmail
Slave sendmail-msp.8.gz: /usr/share/man/man8/sendmail.sendmail.8.gz
Slave sendmail.8.gz: /usr/share/man/man8/sendmail.sendmail.8.gz
Gegenwärtig »beste« Version ist /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail.

Also muss man den Slave "sendmail" auch noch bereitstellen. Die Namens- und Gruppendopplungen werden langsam nervig. Aber probieren wir mal, ein Slave hinzuzufügen:

root@sun:/home/infinity# update-alternatives --install /usr/sbin/sendmail-msp sendmail-msp /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail 25 --slave /usr/sbin/sendmail sendmail /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail
update-alternatives: using /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail to provide /usr/sbin/sendmail-msp (sendmail-msp) in auto mode.

Das sieht doch erfolgsversprechend aus. Wenn man den Symlinks folgt, kann man sehen, dass es funktioniert:

root@sun:/home/infinity# ls -l /usr/sbin/sendmail
lrwxrwxrwx 1 root root 26 2012-09-08 11:22 /usr/sbin/sendmail -> /etc/alternatives/sendmail
root@sun:/home/infinity# ls -la /etc/alternatives/sendmail
lrwxrwxrwx 1 root root 33 2012-09-08 11:22 /etc/alternatives/sendmail -> /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail

Wow. Endlich! Was lernen wir daraus? Nutze Deinen Kopf, wenn Du Anleitungen aus dem Netz liest. Denn die dort verwendeten Befehle sind selten korrekt, aber ein guter Hinweis auf die weitere Vorgehensweise. Das gilt übrigens auch für folgendes - im Netz findet man  gerne auch solche Befehle:

root@sun:/home/infinity# update-alternatives --install sendmail-msp sendmail-msp /opt/zimbra/postfix/sbin/sendmail 25

Das funktioniert nicht, da der erste Parameter nach --install ein absoluter Pfad sein muss. Vermutlich wurde diese Bedingung irgendwann in der langen Versionshistorie von update-alternatives hinzugefügt - und die Anleitungen im Netz haben dies noch nicht berücksichtigt.

Noch eine Kleinigkeit - vollständiges Deaktivieren von Sendmail

So ein MTA hat die Eigenart, sich automatisch starten zu wollen. Das wollen wir aber natürlich nicht. Also entfernen wir es:

root@sun:/home/infinity# update-rc.d S21sendmail remove
Removing any system startup links for /etc/init.d/S21sendmail ...

Leider bringt Sendmail noch ein sehr nerviges Cron mit, welches auch dann ausgeführt wird, wenn Sendmail nicht genutzt wird. Widersinnig. Das muss auch noch weg. Das heisst, dass wir in /etc/mail/sendmail.conf die Zeile MSP_MODE="cron"; auf MSP_MODE="none"; ändern müssen. Danach führen wir noch den Config-Generator aus:

/usr/share/sendmail/update_conf

Nun ist alles fertig - ich wünsche viel Spaß mit sendmail!

Für den Aufmerksamen Leser: Ich habe zwischendurch mit LANG=C auf englisch gewechselt, um besser nach den Fehlermeldungen googlen zu können. Ich bau jetzt nicht alles einsprachig nach, sorry ;)

Beschneidung: ein Appell für Menschenrechte und realistische Betrachtung

Am 25.06.12 ist es passiert: da veröffentlichte die FTD exklusiv einen Artikel über das Kölner Urteil, dass diese religiös motivierte Beschneidung ein Eingriff ohne Notwendig sei. Und damit rechtswidrig. Die Richter sprachen den Arzt zwar frei, aber - das Urteil ist bislang einmalig, urteilte es doch erstmalig über einen weit verbreiteten und bislang mit großer Rechtsunsicherheit verbundenen Vorgang. Und damit ging ein Streit los, welcher schriller nicht sein könnte. Und welcher mit Mitteln und Vergleichen geführt wird, welche zum Teil schwer zu rechtfertigen sind. Aber zunächst zum Urteil.

Das Urteil

Das Kölner Gericht kam zum Schluss, dass die Beschneidung eine

schwere und irreversible Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit

sei. Diese sei nicht durch Religionsfreiheit oder Elternrecht gedeckt. Udo Vetter fügte in seinem Lawblog gleich noch hinzu, dass in der entsprechenden Fachliteratur die Beschneidung als sozialadäquat bezeichnet wird und daher irgendwo akzeptiert - es gäbe aber noch kein strafrechtliches Urteil darüber. Das hat sich mit dem Kölner Urteil jetzt geändert.

Eine kurze Wertung

Sowohl Udo Vetter als auch andere Rechtsanwälte haben das Urteil zunächst einmal als strafrechtlich konsequent beurteilt. Und das ist es meiner Meinung auch - und damit auch gesellschaftlich Konsequent. Es ist eine aus medizinischer Sicht sinnlose Operation, welche einer Person zugefügt wird, welche nicht gefragt wurde. Die Operation ist zudem irreversibel - es wird also über den Kopf des Kindes eine OP durchgeführt, weil die Eltern von irgendetwas überzeugt sind. Dies empfinde ich als unmöglich - wir leben in einem sakulären Staat, und das bedeutet, dass unsere Grundrechte über religiösen Rechten stehen. Das bedeutet dann insbesondere auch, dass das Recht der körperlichen Unversehrtheit über dem Recht der religiösen Freiheit liegt.

Dies sind auch die Fragen, um die es geht - und die in dem Streit bislang immer unterschwellig mitschwangen:

  • Wie weit darf Religion? Über welchen Gesetzen steht Religion, welche Gesetze sind wichtiger als Religion?
  • Haben Weltreligionen gegenüber von Sekten Sonderrechte? Wenn ja in welchem Umfang?
  • Wie weit gehen die Rechte von Eltern, die von ihnen gewählte Religion auch auf ihre Kinder zu übertragen?
  • Was dürfen Eltern (auch ganz abseits religiöser Fragen) mit ihren Kindern machen? Was nicht mehr?

Unpassende und passende Vergleiche und Argumente

Natürlich kommen bei einer solchen Debatte sofort eine Vielzahl von Argumenten auf, die zum Teil sehr fragwürdig sind. Um eine Grundlage für eine Lösung zu schaffen möchte ich auf diese Argumente jeweils kurz eingehen.

Zunächst wird einmal damit argumentiert, dass es ja auch eine Beschneidung aus medizinischen Gründen gäbe - dann sei eine aus religiösen Gründen ja auch akzeptabel. Dies ist für mich kein gültiges Argument in einem sakulären Staat. Medizinische OPs sind notwendig für die betreffende Person und damit sogar Pflicht des Arztes, eine religiös motivierte OP ist eine Art religiöse Schönheits-OP, welche meiner Meinung nach vom zu Operierenden entschieden werden muss.

Dann wird argumentiert, dass eine Beschneidung doch eh gesund sei. Dies war früher richtig und damit auch Grund dieser religiösen Regel - heute ist dies allerdings eher nebensächlich. Auch in Ländern des Südens mag dies Sinn haben, mindert Beschneidung doch die Ansteckungsgefahr von AIDS - aber mir kann niemand erzählen, dass es in Deutschland nicht ausreichend Zugang zu Kondomen und Aidstests gäbe. Am Ende steht da die Frage warum wir ohne Einverständnis des Betroffenen eine OP erlauben, welche mit den OP-typschen Risiken verbunden ist - und ggf. einige Vorteile für die Person hat. Wer sind wir, dass wir dies so bestimmen wollen?

Dann wird von der Gegenseite gerne das Argument gebracht, dass man beim Erlauben von Beschneidung von Männern auch Frauen beschneiden dürfe - die Argumentation sei ja dieselbe. Dies ignoriert allerdings die ethisch wohlbegründbare Einordnung der Schwere einer Verletzung. Eine Beschneidung eines Mannes ist zurecht als leichte Verletzung vom Kölner Gericht interpretiert worden, eine Beschneidung einer Frau wäre dies ganz sicher nicht. Beides gleichzusetzen wäre ein typischer Fall von fehlender Anpassung an die Schwere einer Tat.

Dann das Argument "Impfung". Diese ist im Gegensatz zu einer Beschneidung medizinisch sehr wohl begründbar (auch wenn radikale Impfgegner gerne etwas anderes behaupten). Impfungen haben verschiedene Krankheiten nahezu ausgerottet, Krankheiten, welche früher für viel Leid und Tod verantwortlich waren. Am Ende landet man beim ersten Argument der medizinischen Beschneidung - eine Impfung hat einen großen medizinischen Nutzen, eine Beschneidung in der verurteilten Form nicht.

Dann das Argument, dass man dann Kindern ja auch das Stechen von Ohrläppchen verbieten müsse. Dies ist ebenfalls fragwürdig, für gewöhnlich werden Kinder dabei gefragt, es entspricht also dem Wunsch des Kindes. Dies ist bei der Beschneidung von Kleinkindern nicht der Fall.

Dann - Schönheits-OPs bei Kindern seien ja auch erlaubt. Ja, dies ist legal, wenn auch in Diskussion. Eine von den Eltern gegen den Willen ihres Kindes durchgeführte Schönheits-OP würde aber sicherlich einen gesellschaftlichen Aufschrei hervorrufen. Und am Ende berührt es genau die Frage, was Eltern für eine Gewalt über ihre Kinder haben dürfen. Schönheits-OPs gehören meinem Empfinden nach nicht dazu. Ironischerweise gehören genau die Akteure, die jetzt besonders laut die Erlaubnis von Beschneidung bei Jungen fordern zu denen, die ansonsten eher gegen Schönheits-OPs aus ästhetischen Gründen wären.

Ich habe vor einiger Zeit einen anderen Vergleich herangezogen: ist eine Beschneidung eines Mannes nicht wie ein unter Betäubung gesetztes Brandmal auf den Hintern eines Neugeborenen? Es ist im angezogenen Zustand nicht sichtbar (wie die männliche Beschneidung), es ist genau dann sichtbar, wenn es für viele Menschen eh sensibel wird - wenn es sich um Sex dreht zum Beispiel (wie bei der männlichen Beschneidung), es markiert einen für sein Leben und ist irreversibel (wie die männliche Beschneidung), es wird von den Eltern ohne Einwilligung des Kindes ausgewählt (wie die männliche Beschneidung), es gibt einen Hinweis auf eine Gruppenzugehörigkeit, selbst wenn der Träger mittlerweile die Gruppierung gewechselt hat (wie bei der Beschneidung, setzt man ein eher neutral gehaltenes Brandmal-Symbol voraus) ... bislang finde ich keinen Fehler an diesem Vergleich. Würden wir also einer Sekte erlauben, ihre Kinder mit Brandmalen unter Betäubung zu versehen? Würde es dann nicht einen riesigen Aufschrei geben?

Begleitung: ein unmöglicher Diskussionsstil

Begleitet wird der Streit mit einem Diskussionsstil, der zum Teil wirklich unterirdisch. Da sei zunächst einmal der Vorwurf, dass man fremdenfeindlich sei wenn man gegen die Beschneidung ist. Dies zeugt von einem völligen Unverständnis gegenüber den Argumenten der Beschneidungsgegner. Es geht denen nicht darum, Mitglieder bestimmter Religionen auszugrenzen. Es geht denen darum, dass die Menschenrechte und damit das Recht auf körperlicher Unversehrtheit über jedem religiösen Recht stehen. Ausnahmslos und für alle Religionen.

Dies geht so weit, dass die europäische Rabbiner-Konferenz das Kölner Urteil in die Nähe des Holocaust gerückt hat. Bei derartigen Vergleichen wird mir speiübel. Es ist widerwärtig, den größten geplanten Massenmord der Menschheitsgeschichte mit einem aus Menschenrechten gefällten Urteil in Verbindung zu setzen. Für mich ist das eine Relativierung und Instrumentalisierung des Holocaust ohnegleichen und so in der Form strikt zurückzuweisen.

Nebenbei ist auch noch auffällig, dass viele dem Urteil sehr negativ gegenüber stehende Kommentare hinter einer Mauer von möglichst komplexen Worten verstecken. Der gestern auf Twitter aufgekommene Artikel aus der Morgenpost ist dafür exemplarisch. Ich würde mir wünschen, dass man Dinge auch so erklärt, dass sie auch von der breiten Masse der Bevölkerung verstanden werden und sich nicht hinter akademischen Schutzmauern versteckt. Angesichts solcher Artikel wundert es mich nicht, dass die Mehrheit der Deutschen das Urteil begrüßt, denn egal, wie die in derartigen Artikeln hervorgebrachten Argumente zu werten sind - Verständnis erreicht man so nicht. Es wirkt vielmehr arrogant, besserwisserisch und überheblich - auch auf mich.

Doch auch die Gegner haben sich etwas zuzuschreiben - sie fordern allzu gerne ultimative Regelungen für alles und ignorieren dabei die Realität. Der Vergleich mit der Beschneidung einer Frau ist dabei exemplarisch - man kann nicht die Schwere eines Eingriffes einfach unter den Tisch kehren. Eine Prügelei ist etwas anderes als eine Schiesserei, ein Todschlag bei einer Prügelei ist etwas anderes als geplanter Massenmord.  Niemand würde auf die Idee kommen, einen Todschlag mit denselben Strafen zu belegen, nur weil er grundsätzlich dieselbe Folge hat und weil hinter einer Prügelei ja doch auch irgendwie ein merkwürdiges Menschenbild steht - wie bei einem Mord. Das sind einfach zwei verschiedene Welten. Und das muss bei einer Lösung berücksichtig werden.

Ein Lösungsvorschlag: Straffreie Tolerierung, aber keine Akteptanz

Leider ist es Fakt, dass Beschneidungen auch dann weitergehen, wenn sie verboten sind. Sie werden häuslich oder im Ausland durchgeführt. Das kann nicht in unserem gesellschaftlichen Interesse sein - nicht  bei einem Vorgang, welcher wie das Gerichtsurteil aus meiner Sicht richtig vermerkte eine leichte Verletzung darstellt. Denn am Ende geht es darum, die zu schützen, die sich in dem Moment der Beschneidung nicht wehren können - die Jungen. Die Jungen, die dann wegen unzureichender hygienischer Bedingungen unter den oben genannten Umständen um so mehr Komplikationen haben, um so mehr Nachteile davon haben - diese Jungen haben nichts von einem Totalverbot.

Wir können meiner Meinung aber auch nicht akzeptieren, dass eine Verletzung von Kindern seitens der Eltern normal ist. Wir leben in einem sakulären Staat, in einem Staat, in dem man selbstbestimmt leben darf. Da passt eine archaische Fremdbestimmung wie die Beschneidung - nicht rückgängig zu machen und für immer einen sexuell beeinflussend - nicht zu. Religionsfreiheit ist wichtig, aber hier geht es nicht um die eigene Religionsfreiheit, sondern um willenlose Kinder.

Ein Lösungsvorschlag wäre, sich ein Beispiel an der Regelung des Schwangerschaftsabbruchs zu nehmen. Diese ist aus anderen Gründen genauso zweischneidig, dort gibt es aber eine rechtlich vielleicht nicht ganz schöne, aber meiner Meinung nach sinnvolle Lösung. Orientiert man sich an der Fristenlösung, so könnte man sich ein Modell vorstellen, bei der die Beschneidung zwar einerseits illegal wäre, andererseits für einen Arzt aber straffrei. Dies würde zwei starke Signale aussenden:

  • Die Grundrechte in dem säkularen Staat Deutschland, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit, haben höchsten Stellenwert.
  • Um die Risiken für die Jungen zu minimieren, schaffen wir Rechtssicherheit für Ärzte, welche dann die Beschneidung straffrei professionell durchführen können.

Ich hätte bei einer solchen Lösung die Hoffnung, dass sich religiöse Eltern dann fragen, ob sie wirklich eine Beschneidung durchführen wollen und ggf. davon ablassen. Ich habe die Hoffnung, dass dabei auch ganz klar gemacht wird, dass wir jede Religion schätzen, solange sie sich im Rahmen der gesetzlichen Regelungen befindet. Dass diese Entscheidung nicht gegen Juden oder Muslime ist, sondern gegen archaische Traditionen in ausnahmslos jeder Religion oder Gesellschaft (z.B. auch Stierkämpfe). Ich hätte aber ebenfalls die Hoffnung, dass die trotzdem durchgeführten Beschneidungen dann wenigstens professionell durchgeführt werden und so die Beschneidung nur symbolisch ist, nicht ein Risiko für die Gesundheit des Beschnittenen durch mangelnde hygienische Verhältnisse. Ich möchte nicht aufgrund von übertrieben konsequenten Regelungen das Kind mit dem Bade ausschütten. Ich möchte aber auch nicht in einer Gesellschaft leben, wo religiös motivierte Schönheits-Operationen als etwas tolles und positives angesehen werden - das sind sie in einem modernen Staat einfach nicht.

Ich freue mich auf Kommentare in dieser hitzigen Debatte. Aber ich bitte darum, fair zu bleiben. Denn genau das - die Fairness - fehlt zur Zeit auf beiden Seiten. Wie bei fast allen emotional aufgeladenen Debatten.

Eine offene Schnittstelle für das Wurzelwerk

Am vergangenen Wochenende trafen sich ca. 40 Menschen aus ganz Deutschland zu einem Thema, was auf dem Blick erst einmal eine rein technische Frage ist - die interne Plattform der Grünen, das Wurzelwerk. Auf dem zweiten Blick steckt aber viel mehr hinter - es ist die Frage, wie wir innerparteliche Demokratie mit all ihren Aspekten wie Informationsverteilung, Informationssammlung, Diskussion, Antragsentwicklung, Meinungsbildern, Transparenz, Veranstaltungsorganisation und so vielen mehr in Zeiten vom digitalen Wandel gestalten wollen. Es ist meiner Meinung nach eine Strukturfrage, die weit über das hinaus geht als irgendwelche Satzungsdetails. Es ist die Frage wie wir Basisdemokratie bei 60.000 und mehr Mitgliedern gestalten wollen.

Was wir haben und was definitiv geplant ist

Zur Zeit haben wir ein auf Liferay basierendes System, welches mehr schlecht als recht funktioniert - entgegen aller Durchhalteparolen sind einfach viel zu wenig Menschen online. Die Gründe sind vielfältig, und einige davon werden im Laufe des Jahres behoben - zum Beispiel ein Update auf die neue neue Liferay Version 6.1, mit der z.B. die Dateiverwaltung erheblich verbessert wird - oder auch eine komplett neue Oberfläche, bei der die vielen sehr grundlegenden Fehler in der Nutzerführung ausgemerzt werden.

Die Entwicklung ist super und ich möchte sie begleiten. Aber sie ist nicht alles, was wir als Grüne machen müssen. Denn das Wurzelwerk ist eine Insel im Internet. Eine einsame Insel, die hin und wieder von ein paar wenigen Schiffen = Nutzern angefahren wird. Und welche absolut statisch ist, es gibt keine Baungenehmigung auf der Insel. Es gibt ein mehr oder weniger prunkvollen Palast, der allen genügen soll. Friss oder stirb ist die Devise.

Wir brauchen mehr als nur ein riesiges Einkaufszentrum

Auf dem Workshop wurde noch ein weiterer Vergleich gezogen - während es früher abging wie in einer alten Innenstadt, bei der es viele kleine Geschäfte gab, die man einzeln besuchen musste (d.h. es gibt verschiedene Websites, die wenig miteinander zu tun haben) sei das Wurzelwerk nun das große Einkaufszentrum, der Prunkbau, bei dem man einfach alles bekommt. Viele der Teilnehmer mussten bei diesem sehr passenden Bild sehr schmunzeln, schliesslich sind grade wir Grüne normalerweise grade die, die auf Vielfalt im Städtebau achten, die keine großen Einkaufs-Burgen wollen und die die Kreativität der Kleinen schätzen und fördern. Und dass wir mit dem Wurzelwerk genau das Gegenteil wollen beinhaltet schon eine gewisse Ironie.

Wir? Nun - eigentlich eher nicht wir. Denn bei jeder Arbeitsgruppe kam dann doch irgendwie der Aspekt "Öffnung nach aussen", "Integration anderer Dienste", ... usw vor. Zeitweise ging dies so weit, dass verschiedene unabhängig voneinander arbeitende Arbeitsgruppen nahezu identische Grafiken über die Art der Integration entstanden. Eine sehr technisch angehauchte Gruppe (in der ich mich befand) hat dies weiter aufgegriffen und technische Details entwickelt. Uns ging es darum, wie wir gleichzeitig das große Einkaufszentrum Wurzelwerk und die kreativen kleinen Läden = Projekte von Land, Kommunen oder anderen Kreativen ermöglichen können. Diese Ideen möchte ich hier vorstellen.

Vernetzung zwischen den Plattformen - ein gut getesteter Grundbestandteil des heutigen Webs

Die Idee ist nicht neu. Sie ist ein elementarer Bestandteil des heutigen Social Webs und der Grund, warum Giganten wie Facebook, Twitter oder Google so erfolgreich sind. Diese Giganten haben es verstanden, dass eine Insellösung nicht erfolgreich sein kann. Die Inselt sterben dagegen aus - StudiVZ z.B. hat diesen Trend viel zu spät begriffen und säuft grade in einer atemberaubenden Geschwindigkeit ab. Denn StudiVZ konnte man nicht integrieren in andere Systeme. Es war die ultimative Strafe für die fehlende Einbindung von kreativen Entwicklern mit neuen Ideen. Die Strategie "friss oder stirb" funktioniert in der hochgradig an der Basis orientierten und gleichberechtigen Welt des Internets einfach nicht. Und sie ist auch nicht sehr nah an Grünen Idealen - "friss oder stirb" funktioniert in unserer Partei denkbar schlecht. Glücklicherweise.

Doch was bedeutet das im Detail? Wie können wir fremde Ideen einbinden, ohne riesige Probleme mit dem Datenschutz zu bekommen? Das wäre schliesslich die Horrorvision - die Daten aller Grünen liegen frei im Netz. Desaster. Aber auch die Frage ist nicht neu, und die Konzepte dazu sind frei und kostenlos verfügbar - sogar bereits fertig programmiert für die Wurzelwerk-Software Liferay. Aber wie sieht so etwas eigentlich genau aus? Wie funktioniert das? Hierbei gibt es zwei Varianten, welche aufeinander aufbauen. Für beide Varianten möchte ich dies an einem Beispiel erklären.

Variante 1: Identitätsverifizierung

Die Programmiererin Elise hat in ihrer Freizeit eine tolle kleine Website geschrieben, mit der sie Grünen Mitgliedern es ermöglichen möchte Material zu teilen. Sie hat sich dafür einiges überlegt, sie möchte, dass man sich einloggen kann und dann schauen kann, welche Materialen in den Nachbar-Kreisverbänden vorhanden sind um tolle Aktionen zu planen. Sie möchte aber nicht noch ein Extra Login haben - es wäre doch viel schöner, wenn man dies gleich mit dem Wurzelwerk abhandeln könnte. Ausserdem wird es einfacher für Nutzer - schliesslich sind bei dem Nutzer auch Land und Kreisverband gespeichert. Also baut Elise den Identifikationsmechanismus des Wurzelwerkes ein.

Ein Login sieht dann so aus:

  • Der Nutzer klickt auf der Website "Material teilen leicht gemacht" einloggen
  • Der Nutzer wird auf eine spezielle Wurzelwerkseite weitergeleitet.
  • Der Nutzer gibt dort seine Nutzerdaten ein
  • Der Nutzer bekommt die Frage gestellt, ob er der Applikation "Material teilen leicht gemacht" Mailadresse und KV + OV bereitstellen möchte
  • Der Nutzer bestätigt dies
  • Der Nutzer wird auf die Website "Material teilen leicht gemacht" zurückgeleitet und ist eingeloggt

Dies bedeutet dann:

  • Die Nutzerfreundlichkeit der Plattform ist maximal, die Software kann nahezu alles selbsttätigerledigen. Der Nutzer braucht nur noch Login und Passwort, dasselbe Login + Passwort, welches er bereits im Wurzelwerk verwendet
  • Die Website "Material teilen leicht gemacht bekommt das Passwort nicht zu sehen, d.h. der Account kann nicht von der Website (oder potentiellen Hackern der Seite) übernommen werden. Das Passwort bleibt auf der Wurzelwerk-Seite
  • Die Website "Material teilen leicht gemacht" hat eine direkte Verifikation des Nutzers, es können sich also nicht irgendwelche Unbekannten einloggen und das System missbrauchen.
  • Die Website "Material teilen leicht gemacht" bekommt nur und ausschliesslich Nutzerdaten der Nutzer, die sich explizit bei der Website anmelden. Das heisst, dass die Website nur die Daten zur Verfügung bekommt, wo der Besitzer explizit zugestimmt hat. Die Website hat also keinen Zugriff auf Nutzerdaten, die sich nicht bewusst für die Website entschieden haben.

Erweiterung / Variante 2: Ein Zugriff auf die Wurzelwerk-Funktionen:

Hierbei wird der Nutzer gefragt, ob die Website bestimmte Rechte im Wurzelwerk erhalten darf. Als Beispiel könnte man bei der Website "Material teilen leicht gemacht" die Freunde zu der Seite einladen. Oder den Status einer Gruppe ändern und somit den aktuellen Stand des Materials auf die KV-Seiten in das Wurzelwerk bringen. Oder zum Beispiel ein Zusatzprogramm für ein Mailsystem entwickeln, was E-Mails spezifischer zusendet - eine beim Kreisgeschäftsführer eintrudelnde Mail zum Thema Energie wird dann nur an die Menschen weitergesendet, welche sich im Wurzelwerk für das Thema Energie eingetragen hat. Vollkommen automatisch - der Kreisgeschäftsführer müsste nur sagen "sende an alle im KV mit Interesse Energie".

Auch dies ist datenschutzfreundlich umsetzbar, die Rechte müssen natürlich beschränkt werden, damit fremde Seiten nicht alles auslesen können. Diese Mechanismen sind aber ebenfalls vielfach erprobt, sie werden auf einer großen Vielzahl an Seiten bereits verwendet. Bislang ist nicht bekannt, dass auf diesem Wege Sicherheitslücken entstanden sind, die bisherigen Angriffe haben ganz andere Methoden verwendet, welche bereits heute im Wurzelwerk ebenfalls grundsätzlich möglich sind.

Vor- und Nachteile einer offenen Schnittstelle

Beide Wege haben riesige Vorteile:

  • Der Nutzer gewöhnt sich an das Wurzelwerk-Login - es ist das universelle Grüne Login auf allen Ebenen und in allen Projekten
  • Die Wunschliste für das Wurzelwerk ist unendich. Wir haben schlicht nicht die finanziellen Ressourcen all dies umzusetzen. Die Einbindung der Community kann hier helfen.
  • Neue Konzepte können erst einmal gefahrlos und extrem kostengünstig getestet werden, Features, die wirklich ankommen, können dann übernommen werden.
  • Wir stehen für offene Schnittstellen, für die Unterstützung freier Software und kreativer Entwickler. Dies können wir mit einer solchen Schnittstelle auch nicht nur von der Verwaltung fordern - sondern auch für uns selbst realisieren
  • Länder können spezifische Lösungen für regionale Probleme implementieren, um das Wurzelwerk so zu gestalten, wie es im Land am sinnvollsten ist

Nachteile gibt es aus meiner Sicht sehr wenige:

  • Wie bei Facebook auch kann man über Fake-Seiten (Phishing) versuchen Passwörter abzugreifen. Dies ist natürlich aber auch mit einer Phishing-Seite des Wurzelwerks selbst möglich, dies wäre also keine Veränderung zu früher.
  • Ggf. müsste die Bereitstellung einer solchen Schnittstelle von jedem Mitglied einzeln abgesegnet werden. Ich persönlich sehe das nicht so, da die Daten bereits als Schnittstelle dem Wurzelwerk zur Verfügung gestellt wurden und dort auch nicht gefragt wurde. Ansonsten könnte man dies auch über eine Zusatzbestätigung im Wurzelwerk machen.

Fazit

Wir brauchen eine moderne Arbeits- und Wissensplattform für uns Grüne, damit wir auch im 21. Jahrhundert gut arbeiten können. Dies können wir aber nicht mit einem einzigen Portal erreichen. Die heutigen Webtechologien ermöglichen eine nie dagewesene Beteiligung an ehrenamtlichen Programmierern, die mit besten Idenn aufwarten können. Lasst uns diesen Schatz heben!

Wir brauchen beide Systeme - das große Wurzelwerk zusammen und die kleinen kreativen, schnellen und innovativen Lösungen zusammen. Das eine wird nicht ohne das andere gehen. Und alles geht nicht ohne Geld. Aber mit einer offenen API sollte es auch im Interesse der Länder sein, das Wurzelwerk zu unterstützen.

Lasst uns Basisdemokratie in das 21. Jahrhundert bringen und so unsere Ideale auch bei weit mehr als 60.000 Nutzern umsetzen. Und lasst uns beginnen. Jetzt.