Auf Reise

Nun … jetzt sitze ich das erste Mal in meinem Leben in einem Thalys. Und ich fahre das erste Mal auf eine internationale Konferenz. Und ich bin wirklich gespannt, wer die anderen 29 Studenten sind, die ich Treffe. Und ich hoffe, dass es viele Antworten und viel Neues gibt …

Aber im Detail. Thalys. Die Sitze sind gemütlich. Und es stinkt. Dämliche Toilette. Aber das ist letztlich eine Kleinigkeit.

Nächstes Detail. Internationale Konferenz. Nun, ein interessanter Aspekt – einerseits – das Thema ist hochinteressant. Aber das Thema habe ich ja bereits behandelt. Andererseits: Bis auf Grüne Prominenz habe ich bislang keinerlei Politiker der internationalen Bühne kennengelernt. Dies wird sich nun wohl ändern. Und besonders Herr Ischinger wird wohl “Opfer” eines Interviews :)

Weiteres Details: Die Studenten. Mit Zweien hatte ich bereits Kontakt – M. aus Bremen und S. aus Frankfurt. Es bleiben 27 weitere Studenten aus aller Welt. Und da internationale Gruppen immer eine unglaubliche Kreativität besitzen, hoffe ich, dass wir viel machen können. Und dass ein Netzwerk entsteht, was Global Zero wirklich voranbringen kann.

Und Antworten … die Kontakte zur Friedensbewegung haben doch einige Fragen aufgeworfen. Welche genau werde ich noch später erleutern. Genauso, wie ich das Diagramm mit der internen Struktur wohl noch erstellen muss – leider fehlen mir auch dazu bislang die Strukturen.

Jetzt fahre ich aus Deutschland raus – und somit fliege ich aus dem Netz – 20 Euro Roaminggebühren für 12 Stunden sind einfach zu teuer. Beizeiten gibt es neue Berichte! :)

Das grobe Umfeld von Global Zero

Nachdem ich nun selbst lange gebraucht habe, um die Strukturen von Global Zero zu begreifen, habe ich eine kleine Grafik angefertigt, welche den Zusammenhang ein wenig verdeutlicht. Ich hoffe, das hilft.

Die Grafik ist auch als PDF verfügbar.

Mich findet man dort als einer der Student Representatives wieder, welche zum World Summit in Paris fahren. Zudem bin ich in einer lokalen Uni-Gruppe aktiv und inspiriere die Uni-Presse.

In den nächsten Tagen beleuchte ich noch einmal die Strukturen von Global Zero selbst, die (leider) gar nicht so einfach zu durchschauen sind, was auch ein Kritikpunkt seitens einiger Menschen der Abrüstbewegung zu sein scheint. Habt also ein wenig Geduld … :)

Warum nukleare Abrüstung? Wie kams zu Global Zero?

Vor ein paar Tagen habe ich folgenden Satz an den Kopf geschmissen bekommen:

Global Zero? Nukleare Abrüstung? Na da lässt du dich auf etwas ein. Wäre nichts für mich – zu wenig Erfolgserlebnisse!

Nun. Warum macht man so etwas? Als Physikstudent hätte ich nun genug Chancen, in der Wirtschaft unterzukommen oder mein Leben lang ausschließlich zu forschen.

Warum also gerade nukleare Abrüstung?

Perspektivenwechsel. Stellt Euch vor, ihr studiert Physik. Ihr seid im 8. Semester. Und irgendwie habt ihr ein verdammtes Problem mit Eurer Motivation. Das Studium hat euch einfach zu wenig mit der Realität zu tun. Soweit dürfte dies jedem Studenten schon einmal in starker oder weniger starker Ausprägung.

Wie löst man dieses Problem nun? Indem man sein Studium neu ausrichtet. Diese Neuausrichtung kam in Form von Prof. Dr. Altmann und seiner Vorlesung “Physik und Abrüstung”. Dies verband Teile meiner gesellschaftspolitischen Ideale mit meinem naturwissenschaftlich-physikalischen Interesse.

Politik ist in der Physik sehr unpopulär (aka “Wie? Du machst bei einer Partei mit? Du spinnst ja!” – O-Ton in der Fachschaft), und so ist es nicht weiter komisch, wenn man mit dieser Ausrichtung etwas schräg angeschaut wird, insbesondere, weil das höchste Ziel eines Physikers meist eher etwas mit dem LHC (Teilchenphysik) oder eben anderen sehr theoretischen Fachrichtungen zu tun hat. Deswegen gibt es auch nur vier Unis deutschlandweit, die Naturwissenschaften und Abrüstung verbinden.

Und so geschah es … (Global Zero)

Eines schönen Freitags Ende November 2009 erreichte mich nun von Herrn Altmann eine Mail – man könne sich bei Global Zero bewerben. Global Zero? Das hatte ich bislang nur am Rande irgendwo mal gehört. Und wie ich mittlerweile mitbekommen habe: Global Zero kennt kaum jemand in Deutschland.

Das andere Problem war: Ich hatte genau zwei Tage zum Schreiben dieser Bewerbung. Am Montag Mittag war Abgabefrist. Durch die Hilfe von einer ehemaligen FÖJlerin ist mir die Bewerbung recht gut gelungen – noch einmal vielen vielen Dank hierfür, Kate – ohne Dich wär das wohl nichts geworden. Eine Wochen später erreichte mich dann die Nachricht, dass ich in den engeren Kreis aufgenommen wurde – ein Telefoninterview wurde angesetzt.

Wenn ich eins aus Global Zero bislang gelernt habe, dann war es folgendes: “Lern gefälligst mehr Englisch!”. So in etwa verlief dann auch das Telefoninterview, und ich dachte, dass meine miserabelen Englischkenntnisse das einzige gewesen sein sollte, was ich daraus lernen durfte.

Weit gefehlt. All die Reden von Obama, die ich mir zur Übung durchgelesen habe, müssen wohl irgendetwas hinterlassen haben. Kurz vor Weihnachten erreichte mich also die Nachricht, dass ich dabei war. Dieses vorgezogene Weihnachtsgeschenk war wohl das, was die größten Auswirkungen von allen hatte.

Nur: Wer lernt jetzt statt mir theoretische Teilchenphysik für die Diplomprüfung?

Neues Kapitel: Global Zero

Mit dem heutigen Datum beginnt dieses Blog einen neuen Sinn zu bekommen. Der 01.01. eines jeden Jahres ist zwar normalerweise der Tag im Jahr, wo man sich das meiste vornimmt und das wenigste dann davon nachher schafft. Aber ich denke, dass ich meinen guten Vorsatz erfüllen werde. Denn er ist nicht inhaltslos.

Global Zero. Ein paar wenige aus meinem Umfeld mögen es bereits mitbekommen haben – Ende November habe ich mich sehr kurzfristig für die Teilnahme an dem Global Zero World Summit als studentischer Vertreter beworben. Aufgrund der geringen Zeit und meiner nicht so berauschenden praktischen Englischkenntnisse habe ich mir zunächst nur geringe Chancen ausgerechnet. Doch ich wurde positiv überrascht. In der Weihnachtswoche erreichte mich ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk: Ich war einer der 25. Vertreter.

global_zero_logoGlobal Zero. Was ist das überhaupt? In kurz: Global Zero ist eine von aktiven und ehemaligen Führungspersonen gegründete Initiative, die sich der weltweiten nuklearen Abrüstung verschrieben hat. Hierzu hat sie im Sommer 2009 einen detaillierten 20-Jahres-Plan vorgestellt, der in vier Phasen zunächst Russland und die USA und ab 2014 auch die kleinen Nuklearmächte einbezieht. Global Zero wird von zahlreichen prominenten Vertretern aus Politik, Militär und der Zivilgesellschaft unterstützt, unter anderem von Jimmy Carter, Michael Gorbachev und Hans-Dietrich Genscher.

Global Zero versucht mithilfe seiner Kontakte, seines Wissens und seiner Erfahrung das Entstehen von Verträgen zur nuklearen Abrüstung zu befördern. Hierbei haben Global-Zero-Vertreter unter anderem für die Nachfolge des START Abkommens gekämpft und öffentliche Diskussion durch Publikationen in Zeitungen wie der NewYork Times befördert.

Grundlage all dieser Bemühungen ist das Bewusstsein, dass wir am Scheideweg stehen – die Anzahl der nuklearen Mächte wächst, und der Zeitpunkt, wo die Verbreitung von Nuklearwaffen nicht mehr aufgehalten werden kann, naht. Es erfordert also jetzt eine zügige und konsequente Abrüstung aller Nuklearmächte, um auch in Zukunft den Einsatz von Massenvernichtungswaffen durch Staaten oder terroristische Vereinigungen ausschließen zu können.

Dies soll als kurze Einführung zu Global Zero genügen. In den nächsten Wochen werde ich mehr und mehr zu diesem Thema veröffentlichen, als nächstesmeine persönliche Motivation, aber auch Erfahrungen mit der Presse und vieles mehr. Zudem wird dieses Blog Dreh- und Angelpunkt für meine Berichterstattung direkt vom Global Zero World Summit sein. Ihr dürft also gespannt sein.