Bericht Global Zero

Nun liegt die wohl bewegenste Woche in den letzten Jahren hinter mir. Und sie verspricht gleichermaßen nur ein kleiner Startschuss von noch viel Größerem zu sein. Nun – von Beginn an:

Am Samstag habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Thalys genauso nervtötend sein kann wie die Deutsche Bahn. Schnee + Steine in den Motor bekommen, Aus fünf Minuten wurde eine Stunde warten, dann weiterzuckeln mit 40km/h, weiterzuckeln mit 40 km/h in irgendeinen Bahnhof in der Pampa irgendwo vor Brüssel. Dann Gruppenkuscheln im dort befindlichen Thalys, da die Menschen von drei Zügen in einen gequetscht wurden. Resultat: 3 Stunden Verspätung, Global Zero Sammelpunkt war leer, aber drei nette Mädels kennengelernt. Folge: Ernesto fährt ohne Französischkenntnisse nach L’Aigle in die französische Pampa und steigt durch eine unglückliche Verspätung beinahe am falschen Bahnhof aus. Wunderbar. Last but not least bin ich dann um 21:30 doch noch angekekommen – als letzter. Ich wurde abgeholt und zu unserem Tagungsort gebracht, dem französischen Landhaus Château de la Noë Vicaire. Nach ein bisschen Begrüßung ging es dann auch realtiv fix ins Bett, da die Meisten von der Reise erledigt waren.

An den folgenden zwei Tagen folgte seeeeehr amerikanisches Führungskräfte-Programm, dessen Ausrichtung vor allem in der Kampagnenorganisation lag, nicht so sehr auf inhaltlichen Aspekten – diese würden auf der Konferenz stattfinden. Ausserdem wurde Storytelling ausgibig behandelt. Die Übungen mutierten allerdings meist zu einem internationalen Austausch, da viele der Methoden schlicht ungeeignet waren für andere Länder – irgendwelche Anekdoten über die Vergangenheit und Nationalstolz sind eben für Deutschland nicht wirklich geeignet. Am Rande gab es kleine Bollywood-Tanzeinlagen, die erste Schneeballschlacht im Leben einiger Teilnehmer und einige weitere Späße. Zusammen war es aber eine unglaublich produktive und spannende Zeit mit einer wirklich sympatischen und fähigen Gruppe Studenten. Lustigerweise war ich aber der einzige Naturwissenschaftler, weswegen ich wohl zweitweise ein wenig freakig herüberkam. Am Montag Abend ging es dann noch in das Intercontinental Paris – LeGrand Hotel. Erste Beobachtung: Da kostet eine Nacht mehr als ich in meinem ganzen Leben für Hotels ausgegeben habe. Zweite Beobachtung: Man kann sich wunderbar verlaufen. Zusammenfassung: An den Komfort kann man sich gewöhnen.

Die Konferenz selbst begann am Dienstag früh und endete Donnerstag Mittag. Es drangen in den Redebeiträgen immer wieder auch andere Themen durch, vor allem die nukleare Bewaffnung Israels, die Atompolitik vom Iran und verschiedene Fragen rund um China. Interessant waren auch viele Anspielungen auf die lange Geschichte der nuklearen Abrüstung und die Einbindung anderer Initiativen – vorangetrieben nicht nur von den Teilnehmern, sondern auch vom Global Zero Kernteam. Die Grundaussage war zudem, dass die Initiativen extrem wichtige Vorarbeit geleistet haben, Global Zero aber versuchen möchte, die weitere wichtige Komponente “Öffentlichkeit” zu bearbeiten und Bewegungen zusammenführen möchte. Zu diesem Detailthema folgt in Kürze aber noch ein weiterer Blogpost.

Recht interessant waren auch ein Film, über den ich nicht mehr sagen darf, und die beiden abendlichen Gala Dinners, bei denen ich in Kontakt mit verschiedenen sehr interessanten Menschen kam – u.a. mit Mr. Bruce Lowry, Dr. Barry Blechmann und Ernesto Zedillo. Zudem wurden wir Studenten zum Großteil persönlich für das nächste Treffen nach Japan eingeladen, um in Hiroshima noch einen ganz direkten Eindruck zu bekommen. Wir wurden ebenfalls direkt dazu aufgefordert, die auf der Konferenz geknüpften Kontakte weiter zu pflegen und für Global Zero zu nutzen.

Auf der fachlichen Ebene wurde vor allem die Dringlichkeit von Global Zero erläutert. Das Zeitfenster ist sehr klein, einerseits erfährt das Thema schubweise Aufmerksamkeit und wir haben zur Zeit genau so einen Zug, auf der anderen Seite steht die Gefahr einer unkontrollierten Verbreitung von Nuklearwaffen. Wie in verschiedenen Medien auch diskutiert droht uns eine Spirale der nuklearen Aufrüstung, an dessen Ende Nuklearwaffen als Standardbewaffnung einer jeden größeren Armee stehen würde. Dies würde das Risiko eines Nuklearkrieges durch einen technischen Fehler, durch radikale Diktaturen oder auch durch Terrorismus erheblich erhöhen. Da es nicht logisch vertretbar ist, dass nur bestimmte Staaten abrüsten, ist Global Zero letztlich die einzige sinnvolle Möglichkeit. Es lag über der ganzen Konferenz ein Hauch der Dringlichkeit, und nicht selten wurden Vergleiche zu der Erderwärmung gezogen – als das zweite von Menschen geschaffene Problem, welches einen starken Effekt auf die gesamte Menschheit haben kann.

Insgesamt hat mich die Konferenz äusserst motiviert, das Thema “nukleare Abrüstung” äusserst stringent weiter zu verfolgen. Es ist schlichtweg wichtig – und wenn nicht wir und jetzt – wer und wann sonst?

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