2011 London Global Zero World Summit: One step ahead.
Ein weiteres Jahr, eine weitere Konferenz: Auch im Jahr 2011 versammelten sich Staats- und Regierungschefs, militärische und gesellschaftliche Führungspersonen sowie eine Hand voll Studenten, um nukleare Abrüstung einen weiteren großen Schritt voranzubringen. Ich war einer dieser Studenten.
Die Konferenz bestand für Studenten wie auch im letzten Jahr aus zweit Teilen: Aus dem Vorbereitungstreffen - dieses Jahr London Institute genannt - und der Konferenz selbst. Begonnen hat somit alles in einem kleinen schnuckeligen ziemlich großen Herrenhaus namens Wotton House irgendwo im Süden von Großbritannien.
Die da drüben ...
... sind anders. Und das ist gut so. Wie auch schon auf dem letzten World Summit war der Hauptcharakter nicht so sehr der Inhalt - sondern der Austausch zwischen den den Studenten und ihrer Kultur. Neben gesellschaftlichen Betrachtungen von Nuklearwaffen in den verschiedenen Staaten ging es auch schnell um Studium, Gesellschaft und Freizeit - was aber neben einem Gruppenzusammenhalt auch viele neue Ideen für Global-Zero-Campaigning hervorgebracht hat.
Die neue Kampagne: Kosten statt Moral
In vielen Ländern - insbesondere der USA - muss aufgrund der Weltwirtschaftskriese stark an öffentlichen Dienstleistungen gespart werden. Dies hat Global Zero aufgenommen und zu der Cost Campaign weiterentwickelt: Ist es nicht unsinnig, Geld für nukleare Waffen herauszuwerfen, während verschiedene, für die Gesellschaft wichtige, Dienste eingespart werden? Die Kampagne wird je nach Land an die zur Zeit passenden besonders heftigen Sparprojekte angepasst, so dass der Teilnehmer ein plastisches Beispiel für die hohen Kosten der Nuklearwaffen erhält - incl. Herunterbrechen der Zahlen auf begreifbare Größen.
Die Kampagne ist für Deutschland zwar weniger interessant - unsere Ausgaben für Nuklearwarwaffen sind nun einmal recht begrenzt, die Auswirkungen der Krise auf unser Sozialsystem ebenfalls - jedoch ist dieser andere Ansatz der Kampagne eine Chance, Menschen zu erreichen, welche sich sonst nicht allzu sehr für die oft allzu moralischen Argumentationslinien der nuklearen Abrüstung interessieren. Denn es ist eine Sache, wenn von außenpolitischen Strategien von Nuklearwaffen und in diesem Zusammenhang von Machtungleichgewicht geredet wird - aber eine ganz andere, wenn dann aufgrund dieser Außenpolitik die Schule nebenan geschlossen wird.
Voyage, voyage, ...
Nach drei Tagen voller Diskussion, Spaß und Kaffee ging es dann in die Londoner Innenstadt, wo das eigentliche World Summit stattfinden sollte. Neben der eigentlichen Konferenz gab es auch eine Vorführung des Filmes "Countdown to Zero" im BAFTA inklusive Paneldiskussion mit Lawrence Bender, Queen Noor, Rt. Hon. Margret Beckett, Valerie Plame Wilson und Dr. Bruce Blair sowie ein Gala-Dinner in der Great Hall des Royal Courts, wo alle Teilnehmer der Diskussion die Chance hatten, sich direkt auszutauschen.
Öffentlichkeit ist alles
Die Konferenz selbst fand im Savoy statt - im großen und ausgeschmückten Lancester Ballroom. Dort fanden dann Panel-Diskussionen zu verschiedenen Themen (Global Zero Action Plan: Getting to Multilateral Negotiations, The Political & Public Campaign for Global Zero, Building an International Commitment for Global Zero, The Politics of Achieving Global Zero: Regional Perspectives). Inhaltlich gab es bei diesem seit vielen Jahren diskutierten Thema nicht allzu viel Neues - dafür wurde die Presse um so mehr gefüttert. Die Cost Campaign spielte hierbei eine zentrale Rolle - die Zahlen sind zwar seit vielen Jahren bekannt, jedoch hat bislang niemand derart öffentlichkeitswirksam die Auswirkungen auf den einzelnen Menschen dargestellt.
... und ein wenig Inhalt
Neben der exzellenten Pressearbeit gab es natürlich auch die eine oder andere inhaltliche Neuigkeit. Sir Malcolm Rifkind erwähnte zum Beispiel, dass es ein wichtiger Zwischenschritt sei, dass alle Nuklearstaaten zumindest nicht weiter aufrüsten, um ein Wettrüsten zu verhindern und um Vertrauen zu bilden. Auch das Nuclear Sharing wurde von westlicher Seite mehrfach als das neue große Ziel angesprochen - von russischer Seite hatte man erwartungsgemäß ein paar Bedenken - taktische Waffen seien eh wirkungslos, man solle sich doch erst um die echten Gefahren kümmern.
Richard Burt sprach ebenfalls noch den Verlauf der Verhandlungen von NewSTART an - und dass dieser Vertrag trotz der unangenehmen Zugeständnisse keineswegs selbstverständlich ratifiziert wurde. Es sei wichtig, daraus Lehren zu ziehen - es sei wichtig, alle großen politischen Gruppen mitzunehmen, sonst stehe man allzu schnell isoliert und ohne Chance auf Durchsetzung seiner Ideen da. Dies ist (aus meiner persönlichen Sicht) auch ein wichtiges und viel zu wenig diskutiertes Thema, was der Rest der Friedensbewegung akzeptieren muss: Egal, wie hässlich die Zugeständnisse waren, die Obama machen musste, egal, wie wenig dann aufgrund von Rechenspielereien tatsächlich abgerüstet wurde - mit Maximalforderungen hätte man den Vertrag komplett in den Sand gesetzt, und das Signal wäre fatal geworden, gerade auch in Bezug auf die kommende CTBT-Ratifikation.
Erwähnenswert waren noch die Beiträge von Gen Ret. Uzi Eilam und der kompletten Runde um Amb. Wolfgang Ischinger, hier insbesondere die iranische Perspektive um Amb. Seyed Hossein Mousavian, welcher für die iranische Perspektive sprach - ein Novum auf dem Global Zero World Summit. Der Nahe Osten zeigte sich auf dem World Summit als ein ziemliches Mienenfeld - mit unheimlichen Potential, ganz besonders erkennbar an den Student Leaders, welche eine ganz neue Form der Zusammenarbeit über Nationalgrenzen hinweg und abseits der alten Feindschaften zu schätzen wussten.
Nichts spektakuläres, aber drägende Kontinuität
So könnte man die Konferenz zusammenfassen: Das Thema nukleare Abrüstung ist so alt, dass keine spektakulären Neuigkeiten zu erwarten waren. Dafür hat Global Zero mit dem 2011 Summit gezeigt, dass es am Ball bleibt - und dass es neue Formen der Öffentlichkeitsarbeit beherrscht und nukleare Abrüstung auf den Alltag vieler Menschen herunterbrechen kann. Ergänzt mit dem Fachwissen und der insititutionellen Erfahrung der anderen nuklearen Abrüstorganisationen ist ein Global Zero möglich. Packen wir es an!






