
(C) Common Creative BY-SA, wikipedia.org - User: Seeteufel
Es könnte der Schrecken der Tabackindustrie werden: E-Zigaretten erfreuen sich seit etwa drei Jahren zunehmender Beliebtheit. Vollundige Versprechen werden gemacht, die Zigarette sei absolut unschädlich und letztlich jedem zu empfehlen. Doch plötzlich gibt es Gegenstimmen: Die NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens warnte vor E-Zigaretten und ordnete diese als Arzneimittel ein. Darauf folgte viel Kritik von Seiten der Händler - und natürlich der Kunden. Ich möchte hier eine weitere Perspektive aufmachen - die Perspektive des Nichtrauchers.
Man sollte dazu wissen, dass ich leicht allergisch auf Rauch reagiere. Passivrauchen ist für mich nicht nur unangenehm, sondern eine Qual. Ich bekomme tränende Augen und Kopfschmerzen, die ich niemandem wünsche. Ich hatte noch nie eine Zigarette im Mund, ich hasse den Geruch, weil ich ihn mit den beschriebenen Folgen verbinde - eigentlich die besten Voraussetzungen für einen radikalen Gegner von jeder Form von Rauch.
Und trotzdem möchte ich eine Lanze für Elektrozigaretten brechen.
Huch? Nun, dies hat zwei Gründe. Einen sehr praktischen, der sehr egoistische Motive beinhaltet, einen anderen theoretischen, bei dem es um die Freiheit von mir und von anderen geht.
Der praktische zuerst. Wie in vielen Zeitungsartikeln beschrieben sind es vor allem junge Raucher, die dem Umstieg wagen - und dies kann ich durch meine eigene Erfahrung bestätigen. Ein nicht unerheblicher Teil der Raucher in meiner Umgebung raucht nicht mehr Zigaretten, er nuckelt an E-Zigaretten - oder wie man so schön sagt, er dampft. Dies ist für mich als Nichtraucher ein ganz erheblicher Vorteil.
Früher gab es immer diese Diskussionen. Raucherbereich oder Nichtraucherbereich im Cafe? In der Disko? Jetzt doch schnell raus in die Kälte, weil er oder sie mehr Nikotin braucht? Hibbeln, weil man grade keinen Platz zum Rauchen findet? Draussen so stehen, dass mir der Wind keinen Rauch ins Gesicht pustet. Alles vorbei.
Der Dampfer nimmt seine E-Zigarette einfach mit, und er kann machen was er will - er löst bei mir keine Kopfschmerzen aus. Keine tränenden Augen. Und er ist auch nicht ungeduldig und hibbelig, weil er kein Nikotin bekommt. Es bestehen einfach keine Probleme mehr. Man kann wunderbar entspannt miteinander umgehen.
Auch aus einer gesundheitlichen Sicht hat die E-Zigarette nur Vorteile. Denn einmal ganz praktisch gesehen - egal, welche Stoffe am Ende doch eine bestimmte Gefahr mit sich bringen - den Gefährdungsgrad einer Zigarette mit all ihren krebserregenden Abfallprodukten durch das Verbrennen wird sie nie erreichen.
Elektrozigaretten sind DIE praktische Umsetzung für Verbesserung des Nichtraucherschutzes
Und es wäre auch schlichtweg eine Illusion zu glauben dass die Alternative für einen Raucher das Aufhören ist. Es gibt viele Raucher, die aus welchen Gründen auch immer nicht aufhören wollen. Und das ist ihre eigene Entscheidung, was sie da tun. Mit einer Elektrozigarette gibt man ihnen die Chance, die negativen Auswirkungen auf ihre Umgebung (und auf sich selbst) zu reduzieren. Wenn man die Hürde für eine Elektrozigarette zu hoch legt, hören sie nicht auf - sondern greifen wieder zu der Tabackzigarette. Und da ist mir ganz praktisch und ganz egoistisch die Elektrozigarette erheblich lieber. Und ich denke dies gilt für eine ganze Menge weiterer Nichtraucher ebenfalls.
Aber wie angesprochen gibt es noch eine theoretische Perspektive. Diese baut sich auf den Spruch auf "Meine Freiheit endet dort, wo die gleich große Freiheit des anderen beginnt".
Das bedeutet zunächst einmal, dass ich eine Freiheit habe. Und zwar eine Menge Freiheit. denn meine Freiheit endet nicht an den moralischen Vorstellungen irgendwelcher selbsternannten Volksbeschützer, sondern an der Freiheit des Anderen. Das bedeutet auch, dass ich mit mir machen kann, was ich möchte, solange ich Andere nicht schädige. Das Gegenmodell dazu wäre der vielzitierte Nanny-State, und in einem solchen möchte ich nicht leben. Ich möchte über mich selbst entscheiden können - soweit es eben geht.
Die Grenze ist hierbei die gleich große Freiheit des Anderen. Im Fall von Zigaretten wird diese Grenze meiner Meinung nach überschritten - ich zwinge einer anderen Person im Übermaß meine eigenen Verhaltensweisen auf. Wenn ich mich entscheide, dass ich ungesund leben will, dann ist dies in Ordnung, dass ich den Wunsch nach Gesundheit anderer nicht respektiere oder ihr soziales Leben damit erheblich einschränke ist dagegen ein erheblicher Eingriff in die Freiheit des Anderen.
Elektrozigaretten dagegen greifen kaum bis gar nicht in die Freiheit einer anderen Person ein. Das für den Nebeleffekt verantwortliche Propylenglykol wird auf jeder Party zuhauf eingesetzt, es kann also als ungefährlich eingeschätzt werden. Weitere Inhaltsstoffe sind wenig bis gar nicht mehr vorhanden. Ich schädige mich mit einer Elektrozigarette also schlimmstenfalls selbst, nicht aber den Anderen. Ich greife also nicht in die Freiheit des Anderen ein.
Die Freiheit, alles zu tun, solange ich nicht die Freiheit anderer verletze
Ich erachte Freiheit als einer der höchsten Güter. Auch die Freiheit, einmal etwas Dummes zu tun. Weil es Spaß bringt, weil es Adrenalin in meine Aterien schiessen lässt oder weil ich einfach Lust drauf habe. Wenn meine Freiheit die Freiheit des anderen nicht angreift, warum sollte es mir also nicht erlaubt sein, diese Freiheit auch ausleben zu dürfen? Wer hat das Recht, mich für zu verurteilen, weil ich meine Freiheut nutze ohne andere dabei zu schädigen?
Bleibt noch eine Sache - die zum Teil zweifelhafte Qualität der Liquids. Dort sehe ich aber einfach nicht den Grund für eine Aufregung - weil wir dafür Vorbilder haben. In jedem Lebensmittelhandel gibt es detaillierte Kontrollen über Frische und Qualität. Wenn das Fleisch zu warm geworden ist, wird es weggeschmissen. Wenn auf dem Gemüse zu viel Pestizide nachgewiesen wurden, wird es entsorgt. Wenn das Haltbarkeitsdatum beinahe erreicht ist, wird es manchmal gesondert und zu reduzierten Preisen verkauft, bei Überschreitung des Datums wird die Ware entfernt. Auf einem Elektrogerät ist Garantie, wenn das Gerät zuvor kaputt geht oder technische Mängel wie z.B. die Gefahr der Überhitzung aufweist, muss es ausgetauscht werden. Und umfassende Kontrollen sorgen für die Einhaltung dieser Regeln.
Denn: Der Käufer muss wissen, dass das, was er kauft, auch dem entspricht, was auf der Verpackung steht. Das als frisch verkaufte Fleisch muss auch frisch sein. Das Elektogerät muss funktionieren.
Unabhängige Qualitätskontrollen statt sinnlose Verbote
Aber keiner käme auf die Idee, Steaks nur noch in der Apotheke anzubieten - und Smartphones nur noch beim Elektronik-Experten. Was spricht also gegen ähnliche Qualitätskontrollen bei Elektrozigaretten? Und vor allem - wie kommt man auf die abstruse Idee, Elektrozigaretten nur noch in der Apotheke anzubieten, normale Zigaretten jedoch frei zu verkaufen? Wo ist da die allgemein gültige Regel?
Summa Summarum - ich bin Nichtraucher. Ich habe eine leichte Allergie gegen Rauch. Ich habe etwas dagegen, dass mir jemand meine Freiheit beschränkt, indem er mich zuraucht. Aber grade deswegen bin ich für Elektrozigaretten. Ich bin für Qualitätskontrollen. Und vor allem für eine Freiheit, die nur und ausschliesslich an der Freiheit des Anderen endet.