Bad News: Nuklearwaffen kosten Geld.

Natürlich tun sie das. Aber wer weiß das schon? Und wer weiß, wie viel? Wüssten Sie es?

1.000.000.000 Dollar in den nächsten 10 Jahren. Aber was bedeutet diese riesige Zahl mit all ihren vielen Nullen? Was bedeutet dies für die Förderung regenerativer Energien? Für Jobs? Für Bildung? Für das Gesundheitswesen?

Wir leben in Zeiten, in denen die Finanzkrise tiefe Spuren in den Staaten hinterlässt. In Zeiten, in denen ganze Nationen hoffnungslos überschuldet sind. In Zeiten, in denen Staatspleiten drohen und hastig Rettungspakete geschnürt werden. In denen der Bürger merkt, wie wertvoll staatliche Unterstützung ist. Und wie schmerzhaft es ist, wenn diese fehlt.

Wir leben aber auch in Zeiten, wo weiterhin unvermindert Geld in Nuklearwaffen gepumpt wird. In Zeiten, in denen eine Billionen Dollar in den nächsten zehn Jahren in Nuklearwaffen investiert werden. In eine nicht nutzbare Waffentechnologie, die bereits im letzten Jahrtausend hochproblematisch war. Und in der multipolaren Welt des 21. Jahrhunderts ein unkalkulierbares Risiko ist.

Doch dieses Risiko ist nicht spürbar für die Menschen. Die Waffen liegen tief in ihren Bunkern. Spürbar jedoch sind die finanziellen Einschnitte, die sich durch diese Waffen ergeben. Spürbar bei den Menschen, die die Politik der meisten nuklear bewaffneten Staaten bestimmen. Denn fast alle nuklear bewaffneten Staaten sind Demokratien.

Dies Setting hat Global Zero aufgegriffen und eine Kampagne daraus entwickelt. Sie steht in Tradition vieler weiterer Aktionen, die die Öffentlichkeit informieren sollten, um demokratischen Druck auszuüben. Der Film "Countdown to Zero" hat das Thema erstmalig in breite Schichten der US-Öffentlichkeit transportiert, verschiedene Prominente "Signatories" vertreten Global Zero in Talkshows und anderen öffentlichen Events. Die großen Konferenzen in Paris, Washington, London und in Kürze in Los Angeles bringen nukleare Abrüstung in die internationale Presse und zahlreiche studentische Gruppen in aller Welt in die Universitäten.

Die Kampagne dokumentiert, an welchen Stellen Bürger Einschnitte spüren werden. Sei es die Gesundheitsvorsorge, seien es Jobs, seien es erneuerbare Energien - je nach Nation bekommt der Unterzeichner ein angepasstes Set an staatlichen Leistungen präsentiert, welche er Nuklearwaffen vorziehen wird. Illustriert wird dies durch Zahlen, was für Investitionen bereits beim Verzicht einer einzigen Nuklearwaffe möglich wären.

Selbstverständlich wird die Kampagne in Deutschland angesichts unserer 20 lediglich indirekt bezahlten Nukleawaffen nicht die Durchschlagskraft haben, die sie in den USA mit den dortigen Einsparungen bei öffentlichen Diensten haben wird, aber auch in Deutschland sind die Menschen sensibel geworden für unnütze Ausgaben, so dass Geld auch hier ein wichtuges Argument ist um öffentlichen Druck zu erzeugen - schliesslich erzeugt eine Unterschrift aus Deutschland international Druck.

((Ziel der Kampagne ist es, die gesammelten Unterschriften führenden Politikern der G 20 Staaten zu übergeben und somit den öffentlichen Druck zu erhöhen. In verschiedenen Zwischenetappen werden die bereits gesammelten Unterschriften dazu verwendet, in laufende Verhandlungen nukleare Abrüstung zum Thema zu machen.))

Die Petition wurde von bereits von vielen Tausend Menschenunterzechnet und die Kampagne mit dem Schwerpunkt auf den Kosten von Atomwaffen löste ein breites Medienecho aus.So wurde in einschlägigen Wirthschaftszeitungen wie dem Ecomist und der Financial Times über die geplanten Milliardenausgaben für Atomwaffen und die Aktionen von Global Zero berichtet.

So schön der Erfolg auch ist, so sehr müssen wir uns weiter anstrengen, um die Öffentlichkeit für das Thema Atomwaffen zu sensibilisieren und Druck auf die politischen Entscheidungsträger aufzubauen. Helfen Sie mit und unterzeichnen Sie jetzt die Petition auf http://is.gd/globalzero!

Dieser Artikel wird im nächsten Freiraum erscheinen. Wenn Du Dich für das Thema interessierst schaue im Archiv des Freiraums vorbei!

2011 London Global Zero World Summit: Impressions

2011 London Global Zero World Summit: One step ahead.

Ein weiteres Jahr, eine weitere Konferenz: Auch im Jahr 2011 versammelten sich Staats- und Regierungschefs, militärische und gesellschaftliche Führungspersonen sowie eine Hand voll Studenten, um nukleare Abrüstung einen weiteren großen Schritt voranzubringen. Ich war einer dieser Studenten.

Die Konferenz bestand für Studenten wie auch im letzten Jahr aus zweit Teilen: Aus dem Vorbereitungstreffen - dieses Jahr London Institute genannt - und der Konferenz selbst. Begonnen hat somit alles in einem kleinen schnuckeligen ziemlich großen Herrenhaus namens Wotton House irgendwo im Süden von Großbritannien.

Die da drüben ...

... sind anders. Und das ist gut so. Wie auch schon auf dem letzten World Summit war der Hauptcharakter nicht so sehr der Inhalt - sondern der Austausch zwischen den den Studenten und ihrer Kultur. Neben gesellschaftlichen Betrachtungen von Nuklearwaffen in den verschiedenen Staaten ging es auch schnell um Studium, Gesellschaft und Freizeit - was aber neben einem Gruppenzusammenhalt auch viele neue Ideen für Global-Zero-Campaigning hervorgebracht hat.

Die neue Kampagne: Kosten statt Moral

In vielen Ländern - insbesondere der USA - muss aufgrund der Weltwirtschaftskriese stark an öffentlichen Dienstleistungen gespart werden. Dies hat Global Zero aufgenommen und zu der Cost Campaign weiterentwickelt: Ist es nicht unsinnig, Geld für nukleare Waffen herauszuwerfen, während verschiedene, für die Gesellschaft wichtige, Dienste eingespart werden? Die Kampagne wird je nach Land an die zur Zeit passenden besonders heftigen Sparprojekte angepasst, so dass der Teilnehmer ein plastisches Beispiel für die hohen Kosten der Nuklearwaffen erhält - incl. Herunterbrechen der Zahlen auf begreifbare Größen.

Die Kampagne ist für Deutschland zwar weniger interessant - unsere Ausgaben für Nuklearwarwaffen sind nun einmal recht begrenzt, die Auswirkungen der Krise auf unser Sozialsystem ebenfalls - jedoch ist dieser andere Ansatz der Kampagne eine Chance, Menschen zu erreichen, welche sich sonst nicht allzu sehr für die oft allzu moralischen Argumentationslinien der nuklearen Abrüstung interessieren. Denn es ist eine Sache, wenn von außenpolitischen Strategien von Nuklearwaffen und in diesem Zusammenhang von Machtungleichgewicht geredet wird - aber eine ganz andere, wenn dann aufgrund dieser Außenpolitik die Schule nebenan geschlossen wird.

Voyage, voyage, ...

Nach drei Tagen voller Diskussion, Spaß und Kaffee ging es dann in die Londoner Innenstadt, wo das eigentliche World Summit stattfinden sollte. Neben der eigentlichen Konferenz gab es auch eine Vorführung des Filmes "Countdown to Zero" im BAFTA inklusive Paneldiskussion mit Lawrence Bender, Queen Noor, Rt. Hon. Margret Beckett, Valerie Plame Wilson und Dr. Bruce Blair sowie ein Gala-Dinner in der Great Hall des Royal Courts, wo alle Teilnehmer der Diskussion die Chance hatten, sich direkt auszutauschen.

Öffentlichkeit ist alles

Die Konferenz selbst fand im Savoy statt - im großen und ausgeschmückten Lancester Ballroom. Dort fanden dann Panel-Diskussionen zu verschiedenen Themen (Global Zero Action Plan: Getting to Multilateral Negotiations, The Political & Public Campaign for Global Zero, Building an International Commitment for Global Zero, The Politics of Achieving Global Zero: Regional Perspectives). Inhaltlich gab es bei diesem seit vielen Jahren diskutierten Thema nicht allzu viel Neues - dafür wurde die Presse um so mehr gefüttert. Die Cost Campaign spielte hierbei eine zentrale Rolle - die Zahlen sind zwar seit vielen Jahren bekannt, jedoch hat bislang niemand derart öffentlichkeitswirksam die Auswirkungen auf den einzelnen Menschen dargestellt.

... und ein wenig Inhalt

Neben der exzellenten Pressearbeit gab es natürlich auch die eine oder andere inhaltliche Neuigkeit. Sir Malcolm Rifkind erwähnte zum Beispiel, dass es ein wichtiger Zwischenschritt sei, dass alle Nuklearstaaten zumindest nicht weiter aufrüsten, um ein Wettrüsten zu verhindern und um Vertrauen zu bilden. Auch das Nuclear Sharing wurde von westlicher Seite mehrfach als das neue große Ziel angesprochen - von russischer Seite hatte man erwartungsgemäß ein paar Bedenken - taktische Waffen seien eh wirkungslos, man solle sich doch erst um die echten Gefahren kümmern.

Richard Burt sprach ebenfalls noch den Verlauf der Verhandlungen von NewSTART an - und dass dieser Vertrag trotz der unangenehmen Zugeständnisse keineswegs selbstverständlich ratifiziert wurde. Es sei wichtig, daraus Lehren zu ziehen - es sei wichtig, alle großen politischen Gruppen mitzunehmen, sonst stehe man allzu schnell isoliert und ohne Chance auf Durchsetzung seiner Ideen da. Dies ist (aus meiner persönlichen Sicht) auch ein wichtiges und viel zu wenig diskutiertes Thema, was der Rest der Friedensbewegung akzeptieren muss: Egal, wie hässlich die Zugeständnisse waren, die Obama machen musste, egal, wie wenig dann aufgrund von Rechenspielereien tatsächlich abgerüstet wurde - mit Maximalforderungen hätte man den Vertrag komplett in den Sand gesetzt, und das Signal wäre fatal geworden, gerade auch in Bezug auf die kommende CTBT-Ratifikation.

Erwähnenswert waren noch die Beiträge von Gen Ret. Uzi Eilam und der kompletten Runde um Amb. Wolfgang Ischinger, hier insbesondere die iranische Perspektive um Amb. Seyed Hossein Mousavian, welcher für die iranische Perspektive sprach - ein Novum auf dem Global Zero World Summit. Der Nahe Osten zeigte sich auf dem World Summit als ein ziemliches Mienenfeld - mit unheimlichen Potential, ganz besonders erkennbar an den Student Leaders, welche eine ganz neue Form der Zusammenarbeit über Nationalgrenzen hinweg und abseits der alten Feindschaften zu schätzen wussten.

Nichts spektakuläres, aber drägende Kontinuität

So könnte man die Konferenz zusammenfassen: Das Thema nukleare Abrüstung ist so alt, dass keine spektakulären Neuigkeiten zu erwarten waren. Dafür hat Global Zero mit dem 2011 Summit gezeigt, dass es am Ball bleibt - und dass es neue Formen der Öffentlichkeitsarbeit beherrscht und nukleare Abrüstung auf den Alltag vieler Menschen herunterbrechen kann. Ergänzt mit dem Fachwissen und der insititutionellen Erfahrung der anderen nuklearen Abrüstorganisationen ist ein Global Zero möglich. Packen wir es an!

Review: Die NPT Review Conference 2010

Die Konferenz ist fast vorbei. Fast vier Wochen sind vergangen, und die Signale aus New York sind recht gemischt - zu gemischt für meinen Geschmack. Schließlich hat die NPT Review Conference äußerst gut angefangen, und dieser äußerst gute Grundton zog sich die gesamten zwei Wochen meiner Anwesenheit lang durch. Aber von Anfang an.

Nach eigentümlichen Düsseldorfer Sicherheitsbeamten ("Wir wollen den Inhalt ihres Koffers sehen!" *alle Visitenkarten durcheinanderwirbel* "Bitte kommen Sie mit zu einer Zusatzkontrolle!" *wart* "Ach doch nicht, die Beamten haben gerade keine Zeit!") und einem langen Flug - zumindest war er für mich lang, schließlich war ich noch nie außerhalb von Europa - landete ich in Newark Liberty International Airport. Dort angekommen wurde ich von einem hungrigen Sicherheitsbeamten durchgecheckt (welcher es sehr eilig hatte, nicht viel kontrolliert hat sondern lieber sofort danach zum Essen gedüst ist) und lernte dann beim Warten auf den  Shuttlebus ein Pärchen irgendwo aus der amerikanischen Pampa kennen, welches ihre beiden Töchter- Studentinnen - in New York besuchen wollten und mir kurzerhand aus dem Bus eine Stadtrundfahrt gegeben haben. Nach Krieg mit meiner Kreditkarte, zu großen Scheinen und dem Ticketautomaten der U-Bahn kam ich dann irgendwann deutlich verspätet in der Kirche an, welche für die nächsten zwei Wochen meine Heimat sein sollte.

Die Heimat hatte so ihre Tücken. So war der grüne Schleim in der Dusche in einer Epoche kurz vor der Erfindung des Rades, außerdem wurden wir regelmäßig um 8:00 rausgeworfen. Ferner erschallten zeitweise zu arg unchristlichen Zeiten sehr christliche Töne - die Jungs und Mädels konnten wirklich gut Musik machen, aber nach 0:00 ist's dann doch etwas gewöhnungsbedürftig. Und dann war da noch die Sache mit dem Bier, das wir in der Kirche nicht trinken durften ... aber die müssen wir hier nicht weiter ausbreiten. Prost.

Die ersten zwei Tage verbrachten wir auf der "International Conference for a nuclear-free, peaceful, just and sustainable World" ( ... ein längerer Titel war nicht auffindbar ... ) in der Riverside Church. Neben Ban Ki Moon und einigen weiteren prominenten Sprechern gab es eine Menge Workshops, bei denen vielfältige Themen diskutiert wurden und exzessiv Kontakte geknüpft wurden. Einer der Workshops war von und für Jugendliche und junge Erwachsene, bei welchem wir Basics zur NPT RevCon vermittelt bekommen haben - und wo urplötzlich dann Agnieszka Malczak Agnes hereinschneite und am Programm teilnahm. Außerdem gelangte ich an einen sehr interessanten Kontakt - der Federation of American Scientists, welche zur Zeit ein internationales Studentenprogramm namens "Students For International Security" zu initiieren versucht.

Am Sonntag wurden dann die Kandidaten für die Youth Speech gewählt (oder soll ich es German Youth Speech nennen? Alle Anwesenden waren 15 Stimmberechtigte von BANg Deutschland und der Deutschen Jugenddelegation da) ausgewählt. Gegen Abend gab es dann eine Demonstration mit rund 7.000 (Angabe der Polizei) bis 15.000 (Angabe der Organisatoren) Teilnehmern quer durch Manhattans Zentrum hin zur UN. Die Teilnehmer der Demonstration war äußerst vielfältig, es wurden viele Nationen, viel Kreativität und viel gute Laune gezeigt. Leider hat die Polizei Kontakt zu den Passanden größtenteils unterbunden und auch lediglich maximal zwei Spuren für die Demonstration freigegeben - es hatte ein bisschen etwas von Demo im goldenen Käfig. Ich selbst bin dort dem WDR begegnet und wurde beim fotografieren fast von einem unfreundlichen Taxi überfahren - vielen Dank an den unbekannten Polizisten, der mich auf das gelbe Monster hinwies. Die Taxen haben in New York aber fast alle einen ... nennen wir es mal gewöhnungsbedürftigen Fahrstil. Der Rest der Verkehrsteilnehmer auch.

Montag durften wir dann endlich in die UN. Und 5 1/2 Stunden für unseren UN-Ausweis anstehen. Aber - endlich ein Ort, wo man ein Mittagessen ohne fast ohne Fastfood bekommen konnte! Die UN Cafeteria war wirklich ein Lichtblick in all dem New Yorker Junkfood. Letzteres teilte die Stadtbewohner auch in zwei Gruppen ein - in (wirklich) fette und in schlanke. Ironischerweise gab es relativ wenig dazwischen. Und auch Pärchen waren fast immer aus derselben Gruppe. Eine interessante Form der Gesellschaftsspaltung.

Und dann war da noch Global Zero. Direkt nach der Ankunft am Freitag nutzte ich ein paar freie Stunden, um Claire wiederzusehen und alles weitere abzusprechen. Da seitens der länger bestehenden Friedensinitiativen immer wieder Fragen (und Verschwörungstheorien) zu Global Zero gab, gab es am darauf folgenden Montag ein Treffen, bei der sich Global Zero vorgestellt hat und daraufhin eine Diskussionsrunde entstand. Nach all den Kommunikationsproblemen wirkte das authentische Auftreten von Galit und Claire Wunder, hinter der Initiative standen plötzlich Menschen, die so häufig vermisst wurden. Menschen, die auch gut Fragen beantworten konnten. Heraus kamen einige sehr neugierige Studenten und einige nachdenkliche Vertreter der alten Garde - und eine Einladung zum Screening des Filmes "Countdown to Zero" am Mittwoch in der zweiten Woche.

Was macht man in New York auf der NPT Review Conference, wenn man nicht gerade alte Bekannte aus Paris wiedersieht? Man trifft sich mit Vertretern von vielen verschiedenen Staaten, um auch aus jugendlicher Perspektive die Dringlichkeit des Themas zu unterstreichen und Informationen über den Verlauf der Konferenz zu bekommen. In unserem Fall waren dies Vertreter aus China, Großbritannien, dem Irak, dem Iran, der Niederlande - und natürlich Deutschland. Die beiden Kontrastpunkte waren hierbei wohl China und der Iran. Während die Volksrepublik klare Aussagen tunlichst vermied, gab uns der iranische Vertreter einen Grundkurs in iranischer Nuklearrüstungspolitik - und weil er schon dabei war, beantwortete er dann auch alle anderen Fragen zur Außen- und Innenpolitik mit. Das war wohl das interessanteste Gespräch von allen, und auch wenn man seine Aussagen zum Teil mit Vorsicht genießen durfte, so sind viele der iranischen Positionen aus ihrer Sicht durchaus logisch nachvollziehbar - der Iran ist nun einmal auch aus meiner westlichen Sicht allzu oft Opfer von sogenannten Double Standards.

Neben einem sehr ausführlichen Gespräch mit dem Deutschen Botschafter bei der UN Helmut Hoffmann, welcher uns einen wertvollen Einblick auf die Prozesse innerhalb der UN und natürlich auf die NPT RevCon bot, hatten wir auch die Chance, mit dem kompletten Unterausschuss Abrüstung des Deutschen Bundestages und noch einmal separat mit dem CDU-MdB Roderich Kiesewetter zu reden. Ein weniger formelles Treffen mit Agnes war ebenfalls geplant, musste leider aber aus Krankheitsgründen abgesagt werden. Wie dem auch sei - die stattgefundenen Meetings waren äußerst positiv und scheinbar ein Quantensprung im Vergleich zu dem Meeting während der NPT RevCon 2005. Hierbei möchte ich natürlich Uta Zapf erwähnen, welche wohl am Besten als Koryphäe der (nuklearen) Abrüstung auf politischer Ebene bezeichnet werden kann. Zudem hat Herr Kiesewetter uns alle überrascht - er bot als ehemals bei der NATO beschäftigter Offizier der Bundeswehr interessante Einblicke in die NATO-Strukturen und hatte eine erfrischend pragmatisch-konstruktive Sichtweise auf nukleare Abrüstung, wenngleich natürlich trotzdem konservativ, aber eben (aus meiner Sicht) in die richtige Richtung konservativ. Oder auch: konservativ zu sein heißt eben nicht, in alten Strukturen aus dem kalten Krieg zu denken.

Natürlich haben wir auch viel zusammen mit den anderen NGOs gemacht, unter anderem die Jugendrede als Teil der NGO-Präsentationen gehalten, an den Morning Caucuses teilgenommen und an einer Vielzahl von Informations- und Diskussionsveranstaltungen sowie zahlreichen anderen Events teilgenommen. Und natürlich unter anderem mit dem "Global Zero Now" Festival selbst etwas dazu beigetragen. Letzteres war leider ob eines gleichzeitig in der UN stattfindenden kostenlosen Konzertes nicht irrsinnig gut besucht, nichts desto trotz hat es viel Spaß gebracht. Zur Vorbereitung haben wir Doppelpostkarten herausgegeben, ein Teil mit einer Aufforderung zur Unterstützung der NTP RevCon wurde an Herrn Westerwelle geschickt, ein anderer mit einer persönlichen Botschaft an die RevCon an die Friedenswerkstatt Mutlangen. Besagte Botschaften wurden dann neben einer großen Ballon-Sonnenblume auf dem Festival präsentiert.

Neben all der Arbeit zur Unterstützung der NPT Review Conference gab es natürlich auch einiges außerhalb der UN in New York zu entdecken. Dank eines etwas begrenzten Geldbugets - bereits die Preise für die Nahrungsmittelgrundversorgung können einfach nur als unverschämt bezeichnet werden - hatten wir zwar wenig Chancen, die ganz berühmten Sehenswürdigkeiten zu betrachten, aber es gab auch so genug anzusehen. Um ein paar Stichwörter zu nennen: Chinatown (Wow. Eine ganz eigene Welt innerhalb von New York) , Freiheitsstatue (Ist die klein im Vergleich zur Manhattan Skyline.), Ground Zero ( ... eindrucksvoll. Aber selbst für die Gedenkstätte wollen sie Geld. Kapitalismus der Extraklasse.), Wall Street ( ... wie süß. Und eng. Und komplett anders, als ich mir sie vorgestellt habe. Außer dass wirklich alles vergoldet war, was sich nicht gewehrt hat.) und vieles vieles mehr. Bemerkenswert war auch das Stadtbild an sich, so geplante Karo-Städte mit derartigen Wolkenkratzern existieren in Europa schlichtweg nicht. Selbstverständlich waren wir auch am Abend unterwegs, um das New Yorker Nachtleben zu genießen. Ich selbst habe mich zeitweise aufgrund meines anderen Musikgeschmackes selbstständig gemacht. Für die, die damit was anfangen können: Amerikanische Industrial-Partys sind besser als die, auf denen ich in Deutschland war. Weniger Cappuccino, weniger Lärm, mehr guten tanzbaren Industrial.

So far - genug der Reisebeschreibung. Es warten die Vorbereitungen für einen englischen Kurzvortrag über New York sowie zwei weitere Blogeinträge, die ich nach dem morgigen Ende der NPT RevCon veröffentlichen werde: "Medieneinsatz der (nuklearen) Abrüstbewegung" und "Ergebnisanalyse aus der Sicht eines jungen Erwachsenen".

Solange hoffe ich darauf, dass sich die Diplomaten auf ein konstruktives und wirkungsvolles Abschlusspaper einigen können. So viel Zeit ist nicht mehr, die Konferenz ist morgen zu Ende, die Weiterverbreitung schreitet voran, und nach dem Misserfolg 2005 ist es wirklich Zeit für signifikante und konkrete Schritte voran. Meine Generation hat diese Waffen nicht gebaut, und die Zeiten des kalten Krieges sind wirklich endgültig vorbei. Im 21. Jahrhundert gibt es neue Probleme, die es zu lösen gilt, und nukleare Waffen sind dabei nur noch ein Hindernis. Ein gefährliches Hindernis. Also: weg damit! :)

Friedenskultur 2010: Nukleare Abrüstung in der Kulturhauptstadt

Nukleare Abrüstung im Pott. Was fällt einem dazu als erstes ein? ... genau. Ostermärsche. Und im Zweifelsfall fallen einem dazu noch ein Haufen Hippies ein, welche Frieden für alle fordern, während sie sich gerade den nächsten Joint drehen.

Am 19. und 20. März 2010 jedoch ein Kongress statt, welcher gezeigt hat, dass die Friedensbewegung mehr bietet. Viel mehr. Ich spreche von der Friedenskultur 2010, einem Kongress (und einem Martinee) im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010, welcher von zahlreichen Organisationen und Aktivisten der Friedensbewegung auf die Beine gestellt wurde. Hierzu zählen vor allem die Organisationen DFG-VK, pax christi, der IPPNW und das Essener Friedensforum.

Freitag: Für den Beginn eine Kreisdiskussion, bitte!

Das Programm am Freitag war denkbar kurz, es begann um 18:00 und endete gegen 20:30. Es bestand aus den üblichen Begrüßungsreden, einem musikalischen Duo und einer Diskussion mit dem Titel "Kultur des Friedens – Wege zu einem friedlichen Miteinander in der Welt der Globalisierung". Die an Chansons der Berlin Cabaret Zeit orientierte Kunsteinlage von Susanne Zinsius und Pascal Schweren war sehr hörens- und sehenswert und machte die Begrüßungsreden deutlich weniger trocken - ein klares Lob an die Veranstalter für diese Auflockerung.

Die Diskussion danach dagegen hatte etwas skurriles an sich. Sie war einerseits sehr interessant, andererseits fehlte ein wenig der rote Faden. Das begann bereits damit, dass als allererstes der Begriff "Kultur" von den Diskussionspartnert demontiert wurde und endete in dem Ansprechen von sehr vielen Themen - nukleare Abrüstung in allen Facetten zu thematisieren ist nun einmal keine triviale Aufgabe. Trotzdem war es spannend, den Teilnehmern zuzuhören, da ihre verschiedenen Sichtweisen viele Anregungen zum Nachdenken gaben.

Vergreisung der Bewegung

Für mich besonders interessant war das von Antonia Kühn mehrfach angesprochene Thema "Jugendliche und junge Erwachsene in der Friedensbewegung". Ein Blick durch die Reihen zeigte eine Menge Menschen, welche ohne weiteres als Alt-68er einzuordnen wären. Junge Menschen sah man dagegen selten, lediglich rechts hinten war ein kleiner Spot - und diese waren nicht einmal freiwillig da wie ich später festgestellt habe, dort war eine übereifrige FSJ-Leiterin am Werke. Weiter vorne turnte dann noch ein etwa 10-jähriger Junge herum, der sich zeitweise sichtlich langweilte und ohne seine Eltern sicher nicht dorthingekommen wäre.

Mit anderen Worten: Zusammen mit einer FSJ-Ehemaligen im Alter von 21 war ich mit meinen 25 Jahren wohl die Repräsentation der Jugend auf diesem Kongress. Etwas mager - wenn man mich fragt. Die Begründung darf man aber bei beiden Seiten suchen. Einerseits sind viele junge Menschen leider viel zu unpolitisch und allzu spontan, so dass es schwer ist, sie für ein solchen Thema zu motivieren. Auf der anderen Seite hat man manchmal aber auch das Gefühl, dass die Friedensbewegung so sehr in ihren romantischen Erinnerungen schwelgt, dass sie sich nicht auf junge Menschen einstellen kann, welche pragmatischer und mit neuen Kommunikationsmethoden an Probleme herangehen - siehe Bürgerrechtsbewegung im Netz. Hierzu aber später im Bereich "Kultur des Friedens in der Medienlandschaft" mehr. Einen kleinen Vorblick gibts trotzdem schon: Im Hauptsaal gab es weder WLAN noch UMTS / GRPS / Handyempfang. Die Integration von modernen Kommunikationswegen wie Twitter war also denkbar schwierig.

Samstags: Interessante Foren und Vorträge, gewürzt mit Verschwörungstheorien

Am Samstag teilte sich die Konferenz in mehrere Teile auf, um einzelne Themen besonders betrachten zu können und in kleineren Gruppen auch Diskussionen zu ermöglichen. "Diskussionen" war leider meist übertrieben, da die Referenten in den Foren oft weit überzogen und somit die Diskussion auf schnelle untereinander wenig verknüpfte Kommentare aus dem Publikum reduzierten. Einerseits waren die Vortragsteile in vielen Fällen sehr aufschlussreich (vor allem, um zu verstehen, was bestimmte Gruppen antreibt und wie sie denken), andererseits hätte ich mir auch mehr Kommunikation unter den Teilnehmern gewünscht. Diese verlief in weiten Teilen etwas gehetzt zwischen den Vorträgen und mutierte oftmals zu einem Geklüngel von Menschen, welche sich schon viele Jahre kannten - keine gute Voraussetzung, um Neulinge zu integrieren. Glücklicherweise hatte ich bereits im Vorfeld Kontakte geknüpft, so dass die "Integrationsbarriere" für mich nicht allzu hoch war. Außerdem hilft eine Spiegelreflex einfach wunderbar, um Kontakte aufzubauen - so ziemlich jeder will nachher die Fotos haben *g*

Der Samstag begann für mich mit der Teilnahme an dem Forum "Zivile und militärische Nutzung der Atomenergie: zwei Seiten einer Medaille?". Dieser begeisterte leider relativ wenig Teilnehmer, was ich schade fand - immerhin ist das Thema meiner Meinung nach einer der wichtigsten überhaupt, da die Herstellung des nuklearwaffenfähigen Materials die größte Hürde zum Bau der Bombe darstellt. Während Regina Hagen und Michael Sailer hochinformative Vorträge boten und aus dem Publikum darauf folgend auch einige wertvolle Ergänzungen kamen, bot der dritte Referent Dr. Sebastian Pflugbeil ein etwas zweifelhaftes Bild. Er konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Vergangenheit und thematisierte ausgiebig die Atombombenentwicklung unter den Nazis und den Leukämiecluster Elbmarsch. Der Vortrag und einige Diskussionsbeiträge leideten an einer überaus einseitigen Betrachtungsweise und dem Aufstellen von marginal bewiesenen Thesen. Angesichts der vollkommenen Irrelevanz des ersten Themas für die heutige Zeit und der geradezu fanatischen Herangehensweise an das zweite Thema somit ein etwas gemischtes Gesamtbild des ersten Workshops.

Dieser Eindruck setzte sich in dem zweiten von mir besuchten Forum "Kultur des Friedens in der Medienlandschaft" fort. Die positive Betrachtung zuerst: Der Workshop hat mir einen ausgeprägten Ausblick auf die Strukturen der Friedensbewegung gegeben. Außerdem waren die Äußerungen sowohl der Referenten - Dr. Sabine Schiffer und Andreas Zumach - also auch der Diskussionsteilnehmer äußerst hilfreich, um Motivation und Denkweise der Teilnehmer kennenzulernen. Die Referenten boten des Weiteren einen ungeheuer informativen Einblick auf die Strukturen der Presse und den Problemen der Berichterstattung. Besonders interessant fand ich dabei die Beiträge zum Thema Zensur und Kontrolle der aus Kriegsgebieten kommenden Informationen, welcher anschaulich durch Beispiele aus den vergangenen Kriegen dargestellt wurde. Die Art der undemokratischen Informationsverschleierung habe ich ja bereits mit dem Thema Netzpolitik ausgiebig kennengelernt, einige Aspekte wie Details zum Embedded Journalism lassen einem dann trotzdem den Mund offenstehen. Das Thema schien viele Konferenzteilnehmer interessiert zu haben, der Raum war war so voll, dass einige Menschen auf der Treppe saßen.

Leider verlieren dabei einige Protagonisten jedes Maß und konstruieren dabei Verschwörungstheorien, wie sie abstruser nicht sein könnten. Es ist schon erstaunlich, wie sehr manche Menschen danach streben, die Welt in gut und böse einzuteilen. Auf der Gegenseite meist das personalisierte Böse, man selbst als das absolute reine Gute. Die Realität wird dann dabei so weit verbogen, dass es kein grau mehr gibt, entweder man ist für oder gegen sie. Und es gibt immer einen einzelnen Menschen oder eine einzelne Organisation, die hinter allem Bösen steckt. Dieser Fanatismus mehrerer Teilnehmer führte leider dazu, dass viel Zeit verloren ging, um verschiedene 9/11 Theorien und anderen Kram anzusprechen. [UPDATE]Versteht mich nicht falsch, ich finde es extrem wichtig, wenn man kritische Fragen stellt, aber dies sollten Fragen sein, keine religiös anmutenden Suggestivfragen zur Überzeugung des Gegenübers von unbewiesenen Theorien.[/UPDATE] Dies ging dann zu Lasten einer präziseren Kampagnenplanung, es war leider nicht möglich, wichtige Ereignisse wie den Film "Countdown to Zero" oder auch die den meisten Teilnehmern unbekannten Möglichkeiten von Global Zero anzusprechen. Schade drum - dies wird die Friedensbewegung in Zukunft stark beeinflussen werden. Die Chancen dahinter sind meiner Meinung nach riesig, man muss sie nur kennenlernen und dann nutzen wollen.

"Früher war alles besser!"

Der Aspekt "Chancen nutzen" trat auch auf eine andere Weise etwas eigentümlich hervor: Es wurde mit einem leidenschaftlichen Vergnügen auf das Internet eingedroschen. Es war in den seltensten Fällen von Chancen die Rede, stattdessen wurde der Verlust jeder journalistischen Qualität beklagt. Außerdem wurde das Chaos im Netz kritisiert, viele Teilnehmer kommen mit der Informationsvielfalt sichtlich nicht zurecht und beklagten den Verlust von entsprechenden Leitmedien. Von sozialen Netzwerken, von dem Internet als letzte Bastion der Freiheit in einigen Staaten, von der zusammengeschlossenen Macht von Nutzern gegen Lobbyismus und Großkonzerne war leider fast nie die Rede. Versteht mich nicht falsch: Ich finde es äußerst wichtig, die durch das Internet entstandenen Probleme zu thematisieren. Es ist nur einfach nicht zielführend, wenn das Thematisieren in ein rückwärtsgerichtetes Geheule ausartet. Das Internet ist da, und wir können es mitgestalten. Machen wir es uns also zunutze anstatt in Nostalgie zu schwelgen. Dies hätte den angenehmen Nebeneffekt, dass die Friedensbewegung in den jüngeren Generationen viel mehr Aufmerksamkeit kriegen würde. Denn wir sind nicht unpolitisch. Das hat der sensationelle Reinfall von Zensursula nun mehr als eindeutig gezeigt. Wir nutzen nur eine andere Sprache. Wenn man diese Sprache lernt, hat das Thema "nukleare Abrüstung" genauso wie das Thema "Zensur im Netz" eine große Chance sehr bekannt zu werden. Klimaschutzdebatte und Anti-Zensur-Bewegung aus dem Netz lassen grüßen.

Vernetzung unter den Friedensinitiativen

In einem dünn besetzten Vortrag folge darauf das Thema "Büchel, Kleine Brogel, Volkel – grenzüberschreitende Bewegung gegen Atomwaffen". Dieser Vortrag war durchweg positiv, vor allem die in Belgien stark etablierte Bewegung des Bombspotting ist schlichtweg faszinierend. Und dessen Aktion in eine Nuklearwaffenlagerstätte einzudringen, selbige zu bemalen, über ne Stunde dort fröhlich langzuspazieren, am Ende von einem einzelnen Soldaten mit einer ungeladenen Waffe einkassiert zu werden und dann auch noch die SD-Karte der Videokamera herauszuschmuggeln ist einfach eine saugeile Aktion. Aber auch Deutschland und die Niederlande hatten einiges zu  bieten, gerade auch auf dem Gebiet der Motivierung von Jugendlichen. Am Rande wurde auch noch das politische Umfeld in unseren Nachbarländern thematisiert, Gemeinsamkeiten und Unterschiede ausgelotet, Zusammenarbeitsmöglichkeiten angesprochen. Außerdem wurde mehrfach die Integration der französischen Bewegung angesprochen, welche es angesichts der französischen Faszination für Nuklearbomben es wirklich nicht leicht zu haben scheint. Insgesamt ein Forum, aus dem man richtig motiviert herauskam.

Hohe Politik auf der Friedenskultur 2010

Hochmotiviert ging es dann weiter - das Ende der einzelnen Foren und Vorträge war erreicht und das Plenum "Notwendigkeit zum Handeln - deutsche Abrüstungsinitiativen (Diskussion mit Vertretern der Bundestagsfraktionen)" begann in dem Raum ohne Internet. Dies war äußerst schade, da dies wohl die Diskussion war, bei der ein Live-Twittern am meisten Sinn gemacht hätte. Zusammenfassend kann man sagen: Wow. Es hat mich echt positiv überrascht wie sehr die Bundestagsdelegierten das Thema angingen. Es herrschte ein ausgeprägter Pragmatismus vor - und eine erstaunliche Bereitschaft der Zusammenarbeit bei diesem Thema, welche nur durch ironisch-resignierende Kommentare zu der großen Distanz zwischen Teilen von CDU und der Linken gestört wurde. Zudem sind die MdBs sichtlich in der Welt nach dem kalten Krieg angelangt, die alten Feindbilder existieren nicht mehr, dafür der Wunsch, auf die aktuelle Situation reagieren zu können. Dies unterscheidete die MdBs von einigen Zuschauern, die sichtlich noch in ihrer Welt aus den Protesten in den 80er Jahren gefangen waren.

[Hier wird in den nächsten Tagen noch ein Update folgen, wenn sich ein paar Sachen geklärt haben. Schaut die Tage also einfach ab und an Mal vorbei :) ]

Internationaler Abschluss

Ganz am Ende wartete noch ein ganz besonderer Part auf uns: "Der atomaren Bedrohung entgegentreten – Atomwaffen abschaffen". Dieses mit internationalen Diskussionpartnern (Alyn Ware, Träger des alternativen Nobelpreises 2009, Neuseeland; Prof. Dr. Dr. Horst-Eberhard Richter, IPPNW, Vertreter des Trägerkreises; Susi Snyder, IKV pax christi, Abolition 2000; Tadatoshi Akiba, Bürgermeister der Stadt Hiroshima, per Video-Botschaft) gespickte Plenum war ein äußerst motivierender Abschluss. Die Diskussion ging um die Aktivitäten in anderen Staaten, um die NPT Review Conference im Mai und um das das Gute und das Böse im Menschen. Insgesamt weniger inhaltsreich, dafür um so mehr Stimmung und eben Motivation. Und wann lernt man schon einmal eine Koryphäe wie Horst-Eberhard Richter kennen?

Nebenbei wurde die Essener Erklärung pressewirksam präsentiert - und der Oberbürgermeister von Essen Reinhard Paß gab bekannt, dass er just auf dieser Konfenz der Organisation "Mayors for Peace" beigetreten ist. Das Presseecho war trotz dieser Ereignisse und der namenhaften Besetzung leider dann doch eher verhalten.

Zusammenfassend eine exzellente Konferenz, die mich in Kontakt zu verschiedenen Gruppen innerhalb der Friedensbewegung gebracht hat. Ich habe viel gelernt, wenn auch meist weniger thematisch, dafür um so in Aspekten wie die Friedensbewegung denkt, fühlt, wo Verbindungen und wo Stolpersteine sind etc. - für mich als Frischling sehr weltvolle Informationen. Vielen Dank also für dieses Erlebnis, ich hoffe, dass ich mit einigen Akteuren weiter in Kontakt bleiben kann und meinen kleinen Teil dazu beisteuern darf, dass die Welt frei von Nuklearwaffen Realität werden kann!

Bilder der Friedenskultur 2010 online

Fragen rund um Global Zero

Im Vorfeld habe ich viel Kritik in Bezug auf Global Zero gehört. Durch die Teilnahme an der Konferenz habe ich einen guten Einblick bekommen können, so dass ich die wichtigsten Fragen beantworten kann.

"Der Global Zero Actionplan ist extrem unpräzise"

Leider ja. Es ist letztlich ein Minimalkonsens, welcher die Richtung angibt und es allen Staaten ermöglicht, daran teilzunehmen. Bei zu vielen Details würden einige Staaten sofort aussteigen, es könnte keine Entwicklung geben, die später mehr möglich macht. Die Situation wie beim CTBT soll also dringend vermieden werden.

"Die Finanzierung ist nicht erkennbar"

Dies liegt vor allem an den Organisationen, welche gespendet haben. Diese sind nämlich gerade nicht Menschen wie Richard Branson, welche sich davon Vorteile versprechen, sondern eher Überzeugungstäter, welche sich damit gar nicht so sehr rühmen wollen. Um Namen zu nennen: Der Hauptsponsor war The Simons Foundation bzw. Dr. Jennifer Allen Simsons, als weiterer wichtiger Sponsor tritt Ploughsares Fund auf. Neben den beiden liegt mir eine Liste von 26 weiteren Großsponsoren vor, die ich aber nicht veröffentlichen mag, da ich damit ggf. Persönlichkeitsrechte verletzen würde. Es ist eine bunte Mischung aus Privatpersonen, NGOs, Thinktanks, Regierungsorganisationen und Wirtschaftsunternehmen, teilweise ohne direkten Zusammenhang mit dem Thema - ausser dem Bewusstsein, dass das eine Gefahr für alle ist.

"Es ist gefährlich, nicht sofort einen vollständigen Vertrag zu erstellen, der alle Staaten zu einem Ausstieg verpflichtet"

Dies ist zwar richtig, da das Zeitfenster sehr klein ist, wo wir etwas initiieren können, auf der anderen Seite ist es leider aber auch so, dass es kein Vertrag gäbe, bei welchem alle Staaten unterzeichnen würde. Und es ist Global Zero wichtig, alle Staaten mitnehmen zu können, da sonst eine Situation wie bei dem CTBT entstehen könnte, bei dem dessen Auflösung bereits in der Diskussion ist. Leider gibt es zudem das Problem mit dem Zeitfenster, welcher durch eine weltweite Bewegung gelöst werden soll, die den Druck auf die Regierungen auch nach dem kleinen Startzeitfenster aufrechterhalten kann.

"Die Domain gehört dem Center of Defence Information, einem US-Militär-Thinktank"

Das Center of Defence Information ist ein Teil des World Security Institute, welches Global Zero mit initiiert hat. Um den Eindruck zu vermeiden, dass es sich dabei um eine rein amerikanische Bewegung handelt und somit ggf. Staaten verschreckt hat das WSI sofort russische Partner gesucht. Gleichzeitig hält es sich ein wenig zurück, auch wenn es im Hintergrund ein Teil der Organisationsarbeit übernimmt - wie eben die Anmietung des Global Zero Webservers.

"Global Zero macht nicht deutlich, dass die Ideen nicht von ihnen sind"

Dies ist leider bislang richtig, mit dieser Konferenz soll dies jedoch maßgeblich geändert werden. Die Thematik wurde mehrfach angesprochen, vor allem die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Organisationen soll deutlich verbessert werden. Ich hoffe, dass darauf Taten folgen, aber gleichzeitig vermute ich, dass meine Teilnahme an Global Zero genau diesen Zweck hat - Verbindungen zu den Naturwissenschaftlern schaffen.

"Global Zero antwortet sehr langsam oder garnicht"

Global Zero hat ein Kernteam von round about 10 Personen, die alles organisieren - was nicht leicht ist. So viel Geld hat Global Zero auch nicht, auch wenn die Konferenz danach aussieht. Somit liegt ein verspätetes antworten oft an einem überarbeiteten Team.

"Global Zero gibt viel Geld für Konferenzen aus, die Orgateams sind aber recht klein, so dass z.B. die Website zum Teil nicht gepflegt wird"

Global Zero möchte vor allem in die Öffentlichkeit kommen, um einen enstprechenden Druck auf die Regierungen zu erzeugen. Hierbei spielen die Konferenzen eine entscheidende Rolle, da nur auf einem solchen Standard internationale Größen mit Einfluss integriert werden können. Durch die begrenzten Geldmengen und das dadurch resultierende kleine Team ist die Website - vor allem die fremdsprachigen Bereiche - deswegen nicht immer up2date. Viele aus der Global Zero Orga hoffen dabei auf ein wenig Mithilfe von Freiwilligen.

Wie man sieht, sind alle Fragen in sich stimmig zu beantworten. Das Problem ist bis dato die durch die Überarbeitung entstandene Intransparenz, und wir Student Leaders werden unseren Teil dazu beitragen, dass Global Zero offener wird - damit die Bemühungen für nukleare Abrüstung nicht durch Reibungsverluste zwischen den Initiativen vermindert werden.

Global Zero: Photos und Videos

Bericht Global Zero

Nun liegt die wohl bewegenste Woche in den letzten Jahren hinter mir. Und sie verspricht gleichermaßen nur ein kleiner Startschuss von noch viel Größerem zu sein. Nun - von Beginn an:

Am Samstag habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Thalys genauso nervtötend sein kann wie die Deutsche Bahn. Schnee + Steine in den Motor bekommen, Aus fünf Minuten wurde eine Stunde warten, dann weiterzuckeln mit 40km/h, weiterzuckeln mit 40 km/h in irgendeinen Bahnhof in der Pampa irgendwo vor Brüssel. Dann Gruppenkuscheln im dort befindlichen Thalys, da die Menschen von drei Zügen in einen gequetscht wurden. Resultat: 3 Stunden Verspätung, Global Zero Sammelpunkt war leer, aber drei nette Mädels kennengelernt. Folge: Ernesto fährt ohne Französischkenntnisse nach L'Aigle in die französische Pampa und steigt durch eine unglückliche Verspätung beinahe am falschen Bahnhof aus. Wunderbar. Last but not least bin ich dann um 21:30 doch noch angekekommen - als letzter. Ich wurde abgeholt und zu unserem Tagungsort gebracht, dem französischen Landhaus Château de la Noë Vicaire. Nach ein bisschen Begrüßung ging es dann auch realtiv fix ins Bett, da die Meisten von der Reise erledigt waren.

An den folgenden zwei Tagen folgte seeeeehr amerikanisches Führungskräfte-Programm, dessen Ausrichtung vor allem in der Kampagnenorganisation lag, nicht so sehr auf inhaltlichen Aspekten - diese würden auf der Konferenz stattfinden. Ausserdem wurde Storytelling ausgibig behandelt. Die Übungen mutierten allerdings meist zu einem internationalen Austausch, da viele der Methoden schlicht ungeeignet waren für andere Länder - irgendwelche Anekdoten über die Vergangenheit und Nationalstolz sind eben für Deutschland nicht wirklich geeignet. Am Rande gab es kleine Bollywood-Tanzeinlagen, die erste Schneeballschlacht im Leben einiger Teilnehmer und einige weitere Späße. Zusammen war es aber eine unglaublich produktive und spannende Zeit mit einer wirklich sympatischen und fähigen Gruppe Studenten. Lustigerweise war ich aber der einzige Naturwissenschaftler, weswegen ich wohl zweitweise ein wenig freakig herüberkam. Am Montag Abend ging es dann noch in das Intercontinental Paris - LeGrand Hotel. Erste Beobachtung: Da kostet eine Nacht mehr als ich in meinem ganzen Leben für Hotels ausgegeben habe. Zweite Beobachtung: Man kann sich wunderbar verlaufen. Zusammenfassung: An den Komfort kann man sich gewöhnen.

Die Konferenz selbst begann am Dienstag früh und endete Donnerstag Mittag. Es drangen in den Redebeiträgen immer wieder auch andere Themen durch, vor allem die nukleare Bewaffnung Israels, die Atompolitik vom Iran und verschiedene Fragen rund um China. Interessant waren auch viele Anspielungen auf die lange Geschichte der nuklearen Abrüstung und die Einbindung anderer Initiativen - vorangetrieben nicht nur von den Teilnehmern, sondern auch vom Global Zero Kernteam. Die Grundaussage war zudem, dass die Initiativen extrem wichtige Vorarbeit geleistet haben, Global Zero aber versuchen möchte, die weitere wichtige Komponente "Öffentlichkeit" zu bearbeiten und Bewegungen zusammenführen möchte. Zu diesem Detailthema folgt in Kürze aber noch ein weiterer Blogpost.

Recht interessant waren auch ein Film, über den ich nicht mehr sagen darf, und die beiden abendlichen Gala Dinners, bei denen ich in Kontakt mit verschiedenen sehr interessanten Menschen kam - u.a. mit Mr. Bruce Lowry, Dr. Barry Blechmann und Ernesto Zedillo. Zudem wurden wir Studenten zum Großteil persönlich für das nächste Treffen nach Japan eingeladen, um in Hiroshima noch einen ganz direkten Eindruck zu bekommen. Wir wurden ebenfalls direkt dazu aufgefordert, die auf der Konferenz geknüpften Kontakte weiter zu pflegen und für Global Zero zu nutzen.

Auf der fachlichen Ebene wurde vor allem die Dringlichkeit von Global Zero erläutert. Das Zeitfenster ist sehr klein, einerseits erfährt das Thema schubweise Aufmerksamkeit und wir haben zur Zeit genau so einen Zug, auf der anderen Seite steht die Gefahr einer unkontrollierten Verbreitung von Nuklearwaffen. Wie in verschiedenen Medien auch diskutiert droht uns eine Spirale der nuklearen Aufrüstung, an dessen Ende Nuklearwaffen als Standardbewaffnung einer jeden größeren Armee stehen würde. Dies würde das Risiko eines Nuklearkrieges durch einen technischen Fehler, durch radikale Diktaturen oder auch durch Terrorismus erheblich erhöhen. Da es nicht logisch vertretbar ist, dass nur bestimmte Staaten abrüsten, ist Global Zero letztlich die einzige sinnvolle Möglichkeit. Es lag über der ganzen Konferenz ein Hauch der Dringlichkeit, und nicht selten wurden Vergleiche zu der Erderwärmung gezogen - als das zweite von Menschen geschaffene Problem, welches einen starken Effekt auf die gesamte Menschheit haben kann.

Insgesamt hat mich die Konferenz äusserst motiviert, das Thema "nukleare Abrüstung" äusserst stringent weiter zu verfolgen. Es ist schlichtweg wichtig - und wenn nicht wir und jetzt - wer und wann sonst?

Auf Reise

Nun ... jetzt sitze ich das erste Mal in meinem Leben in einem Thalys. Und ich fahre das erste Mal auf eine internationale Konferenz. Und ich bin wirklich gespannt, wer die anderen 29 Studenten sind, die ich Treffe. Und ich hoffe, dass es viele Antworten und viel Neues gibt ...

Aber im Detail. Thalys. Die Sitze sind gemütlich. Und es stinkt. Dämliche Toilette. Aber das ist letztlich eine Kleinigkeit.

Nächstes Detail. Internationale Konferenz. Nun, ein interessanter Aspekt - einerseits - das Thema ist hochinteressant. Aber das Thema habe ich ja bereits behandelt. Andererseits: Bis auf Grüne Prominenz habe ich bislang keinerlei Politiker der internationalen Bühne kennengelernt. Dies wird sich nun wohl ändern. Und besonders Herr Ischinger wird wohl "Opfer" eines Interviews :)

Weiteres Details: Die Studenten. Mit Zweien hatte ich bereits Kontakt - M. aus Bremen und S. aus Frankfurt. Es bleiben 27 weitere Studenten aus aller Welt. Und da internationale Gruppen immer eine unglaubliche Kreativität besitzen, hoffe ich, dass wir viel machen können. Und dass ein Netzwerk entsteht, was Global Zero wirklich voranbringen kann.

Und Antworten ... die Kontakte zur Friedensbewegung haben doch einige Fragen aufgeworfen. Welche genau werde ich noch später erleutern. Genauso, wie ich das Diagramm mit der internen Struktur wohl noch erstellen muss - leider fehlen mir auch dazu bislang die Strukturen.

Jetzt fahre ich aus Deutschland raus - und somit fliege ich aus dem Netz - 20 Euro Roaminggebühren für 12 Stunden sind einfach zu teuer. Beizeiten gibt es neue Berichte! :)